Erbgut des Karies- Bakteriums entziffert

14. Oktober 2002, 18:46
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Hoffnung auf neue Vorsorgestrategien gegen Streptococcus mutans, den "Platzhirsch" unter allen Keimen im Mund

Washington - US-Forscher haben das Erbgut des Karies-Bakteriums Streptococcus mutans entziffert. Auch die Funktion zahlreicher Gene des Keims haben Joseph Ferretti von der Universität von Oklahoma und sein Team bereits entschlüsselt. Sie hoffen, dass auf dieser Grundlage neue Vorsorgestrategien und Medikamente gegen Karies entwickelt werden können.

Ferretti und Kollegen stellten bei der Analyse unter anderem fest, dass Streptococcus mutans rund 15 Prozent seiner genetischen Information in die Steuerung der Nahrungsaufnahme investiert. Als Konsequenz kann das Bakterium sehr viel mehr verschiedene Sorten Zucker als Nahrung verwerten als andere im Mund lebende Bakterien.

Beim Abbau dieser Zucker produzieren die Bakterien Säure. Diese tötet die Keime in der Umgebung und frisst - als unangenehmer Nebeneffekt - Löcher in die Zähne. Von den zwei- bis dreihundert im Mund lebenden Bakterienarten ist Streptococcus mutans der einzige Keim, der nachgewiesenermaßen Karies hervorruft.

Karies ist, wie deutsche Forscher kürzlich vermeldeten, ansteckend: Eltern können den Erreger auf ihre Kinder übertragen. Daher raten viele Zahnärzte davon ab, Schnuller oder Löffel des Kindes abzuschlecken. Außerdem sollten Eltern ihre Zähne vorsichtshalber gut pflegen, empfiehlt Gottfried Schmalz, Professor für Zahnmedizin an der Universität Regensburg. Denn je höher die Bakterienzahl im Speichel der Eltern ist, desto wahrscheinlicher ist eine Infektion.

Küssen zwischen Erwachsenen ist dagegen offenbar ungefährlich. Denn nur Kleinkinder, bei denen sich die Mundflora erst bildet, stecken sich an, wie Schmalz erklärt. Später sei die Zusammensetzung der Mundflora konstant.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 10. 2002)

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