Guter Amerikaner - von RAU

14. Oktober 2002, 18:36
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Reporterfrage: Hat der frühere US-Präsident Jimmy Carter den Friedensnobelpreis bekommen, um George W. Bush einen "Tritt vors Schienbein" zu geben? "Unbedingt ja", erwiderte Gunnar Berge, der Vorsitzende des Komitees. Jimmy Carter als der gute Amerikaner; George W. Bush als der Kriegsherr (in spe). Dazu ein kurzer Rückblick: Carter schaltete sich als Vermittler auch in den Balkankrieg ein.

Carter glaubte, einen Völkermörder missionieren zu können und "vermittelte" mit dem bosnischen Serbenführer und angeklagten Kriegsverbrecher Radovan Karadzic einen "Waffenstillstand" zur Beendigung der Belagerung von Sarajewo durch die Serben. Karadzic unterzeichnete grinsend und wenig später ging der Beschuss weiter. Als sich die Nato endlich zum Eingreifen durchrang, wollte sich Carter wieder einschalten. Die Regierung Clinton hielt ihn auf Distanz. "Carter war nicht glücklich", schreibt der damalige Verhandler Richard Holbrooke. "Ein Kamerateam stand schon vor seiner Tür und er hoffte, ein Abkommen mit Karadzic verkünden zu können." Zum Glück kam es nicht dazu, denn auf diese Weise hätte der nunmehrige Friedensnobelpreisträger das Morden in Sarajewo ein weiteres Mal verlängert. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

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