In der Hitze der Opernnacht

14. Oktober 2002, 20:20
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Wagners "Tristan und Isolde" bei den "Kulturtagen" im Großen Festspielhaus

Salzburg - Wenn sich kleine Opernhäuser an die ganz großen Stücke wagen, dann kommt meist mehr heraus als bei einer routinierten Rigoletto- oder Tosca-Einstudierung. An den österreichischen Häusern der gehobensten Provinz konnte man diese Erfahrung mehrmals machen - und nun in Salzburg, da das Landestheater zum 30. Jahresjubel der volkstümlichen, gleichwohl musisch immer wieder ehrgeizigen Kulturtage Christian Pöppelreiters Saarbrücker Tristan und Isolde-Inszenierung ins Große Festspielhaus transferiert.

Pöppelreiter ist in Österreich einer der erfolgreichsten Wagner-Vermittler. In Salzburg kennt man seinen Ring - und auch hier in den liebestrunkenen Erbarmungslosigkeiten überzeugt er mit einem Konzept der wachsenden Ausweglosigkeit, deren Todesfamiliarität in den von Akt zu Akt perspektivverengenden Baukastenbildern von Daniel Libeskind am Ende eine Endgültigkeit von Schärfe und Dunkelheit erhält.

Dies alles zusammen und in Verbindung mit manch sinngebendem Detail der Personenführung und der beleuchtenden Stimmungsmache sichert dieser Aufführung das Gewicht einer gültigen Interpretation. Aus dem Saarbrücker Originalensemble wurde der japanische Bassist Hiroshi Matsui übernommen - ein König Marke von ebensolcher Stimme und passabler Bühnengegenwärtigkeit. Stefano Algieri, der Tristan aus der Erstaufführung, musste kurzfristigst durch Louis Gentile ersetzt werden, was im Umfeld dieser "sängermordenden" Rolle weder eine Seltenheit ist noch größere Schwierigkeiten bedeutet, denn die meisten Tristans zeichnen sich ja nicht gerade durch darstellerische Eloquenz aus.

Gentile zog sich ohne wesentliche Mängel aus der szenischen Affäre, zeigte auch stimmlich das nötige Durchhaltevermögen, wobei ihm zweifellos auch die noch in den turbulentesten Emotionswogen wohlgeordneten Vor- und Beigaben des Mozarteum Orchesters zu Hilfe kamen. Leopold Hager weiß das Einzelne im Gesamten zu orten, gibt der Musik Richtung, dies jedoch auf Kosten traumverlorener Zeitlosigkeit und farblicher Exquisität.

Befriedigend Jayne Casselman im Kampf mit der Isolden-Partie, begeisternd in Wärme und Intriganz Dagmar Pecková als Brangäne. Mit Wolfgang Koch (Kurwenal), Franz Supper (Melot), Josef Köstlinger (Hirt), Latchezar Spasov (Steuermann) und Bernard Berchthold (Seemann) sowie dem Landestheaterchor sind die kleinen Partien informativ und musikalisch gültig besetzt. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

Von
Peter Cossé

19. 10., Großes Festspielhaus
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