Orientierungshilfen in der Bilderflut

15. Oktober 2002, 10:20
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Die "Fototapeten" des britischen Künstlers Julian Opie im Wiener Augarten

Die Österreichische Galerie präsentiert im Atelier im Wiener Augarten verklärte Urlaubserinnerungen des Briten Julian Opie als "Fototapeten" und monumentale Akte zwischen Luxus und Dekadenz von Hubert Schmalix.


Wien - Ein süßes Nichts, in das man bei Julien Opies Bildern schaut. Zumindest vergleicht es der britische Künstler damit - wie wenn man eine Wasseroberfläche beobachtet, jemanden abwesend anstarrt, ins Narrenkastl schaut.

Natürlich bekommt man doch etwas drauf zu sehen, auf den plakatgroßen, gedruckten Flächen im Atelier im Augarten, dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst der Österreichische Galerie, wo er im Verband mit Hubert Schmalix für eine verschobene Martin Kippenberger-Schau die Lücke gut füllt.

Die comicartigen Bilder, Porträts und Landschaften ziehen sich als Filmstrip über die Wände, mit Soundunterlage. "Ich will die Leute weg von Realität bringen", sagt Opie, dem romantische Hintergedanken nicht fremd sind: "Es soll ein Erlebnis wie bei einem Film sein, der den Blick auf die Dinge nachher verändert, so denke ich mir das auch über meine Kunst."

Wie kommt man von bemalten Blechskulpturen und konzeptuellen Arbeiten rund um Architektur und Repräsentation zu nahezu klassischen Porträt- und Landschaftsbildern? Er habe immer den Zugang zu Arbeiten wie zu einer Skulptur beibehalten, meint der Künstler, dessen von der Londoner Lisson Gallery vertretenen Werke auf Kunstmessen und Museen nahezu omnipräsent sind.

Die Fotografie hingegen spielt keine so große Rolle bei Opie, sie sei bloß "ein Spiegel, eine Erinnerungshilfe". Ein fotografisches Detail beziehungsweise Video wird am Computer so lange bearbeitet, bis es extrem reduziert verbleibt. Was rauskommt, ist eine universalistische Sprache Richtung Piktogramm - wie Hinweisschilder am Flughafen, ganz in der Tradition Otto Neuraths.

Urlaubsromane

Wichtig daran sei, so Julian Opie, dass institutionelle, öffentliche Dinge durch persönliche wie einen Familenurlaub auf Bali ersetzt werden. Der Ort sei eigentlich egal, austauschbar, so der 46-Jährige. Opie vergleicht seine Arbeit mit der eines Schriftstellers: "Ich habe meinen Urlaub fiktionalisiert."

Die Bilder - und auch die vielleicht noch besseren Videos - sind simpel und sofort erkennbar. Es war Opie immer wichtig, dass man das Kunstwerk sofort erfasst - sicher auch ein Grund, dass Opie für Musiker wie Blur und St.Etienne CD-Covers entwirft.

Wie war das bei den früheren Arbeiten? "Da habe ich es auch gewollt, jetzt ist das direkter, besser. Früher habe ich versucht, neue Strukturen zu erfinden, konstruierte neue Räume. Heute nütze ich gegebene Strukturen, wie eben bei meinen Wallpapers." Diese haben eigentlich nichts mit Tapeten zu tun, so nennt man den Hintergrund auf PC-Schirmen.

Und wie passen Hubert Schmalix riesige Bilder, die seine Frau romantisch in farbenprächtiger, exotischer Naturumgebung zeigen, zu seinem Wallpaper? Julian Opie: "Schmalix' Gemälde wirken zum Teil wie gedruckt, eine Demonstration verschiedener Arten von Drucktechniken. Meine Drucke hingegen gehen wiederum fast in Richtung Malerei."

Wenn die Sprache auf vergleichbare Bilder von Gerwald Rockenschaub kommt, sieht Opie die Verwandtschaft: Das ähnliche Reagieren auf die immense Bilder- und Logoflut und ihre Lesbarkeit, das Filtern und, wenn man so will, Codieren. Julien Opie dazu: "Heute werden wir mit Millionen Bildern konfrontiert, im Mittelalter mit ein paar wenigen. Das muss sich auch auf die Bilderproduktion auswirken." (DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

Von
Doris Krumpl

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Belvedere.at

Bis 9. 2. 2003
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Julian Opie

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