Georg Serentschy wird neuer Telekomregulator

15. Oktober 2002, 15:25
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Unternehmensberater löst Heinrich Otruba ab - SPÖ sieht "politische Absetzung" - ISPA kritisiert Nähe des neuen Regulators zur Telekom Austria

Wien - Die Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde RTR hat einen neuen Geschäftsführer für den Bereich Telekom. Infrastrukturminister Mathias Reichhold (F) hat am Dienstag den Unternehmensberater Georg Serentschy (53), zuletzt Geschäftsführer der Arthur D. Little International GmbH, zum neuen obersten Telekom-Regulator Österreichs ernannt. Serentschy löst damit den Wirtschaftsprofessor Heinrich Otruba (58) ab, der nach früheren Angaben wahrscheinlich an die Wirtschaftsuniversität Wien zurückkehren wird. Reichhold betonte am Dienstag, dass er sich bei der Ernennung des neuen Telekom-Regulators "strikt an den Vorschlag der Personalberater" gehalten habe. Serentschy verfüge über "langjährige internationale Erfahrung im Bereich Personal- und Unternehmensorganisation" und "exzellenten Kenntnisse" über den österreichischen Telekommunikationsmarkt, so der Minister in einer Aussendung.

"Ruhe in den Markt"

Serentschy, der mit Anfang November seine Tätigkeit in der Rundfunk- und Telekomregulierungs GmbH beginnen wird, will in seiner neuen Position vor allem "zur Sacharbeit zurückkehren" und "Ruhe in den Markt bringen", sagte er am Dienstag nachmittag. Zu dem in der Branche kursierenden Gerücht, Serentschy stehe in einem Naheverhältnis zum Ex-Monopolisten Telekom Austria, meinte der neue Telekom-Regulator: "Das ist eine lancierte Geschichte, die ins Leere geht". Details zu seinen Vorstellungen für seine künftige Tätigkeit will Serentschy Ende Oktober bekannt geben. Vom amtierenden obersten Telekom-Regulator Heinrich Otruba war bis dato keine Stellungnahme zu erhalten.

Auch TKK neu besetzt

Außerdem hat die Regierung am Dienstag im Ministerrat auch die Mitglieder der Telekom-Control-Kommission (TKK) für die nächsten fünf Jahre bestimmt: Die Verträge des Kommissionsvorsitzenden, Kartellgerichtspräsident Eckhard Hermann, und dessen Kommissionskollegen TU-Professor Gottfried Magerl wurden demnach verlängert. Für den ökonomischen und juristischen Bereich wird künftig Erhard Fürst von der Industriellenvereinigung verantwortlich sein. Fürst löst damit Oskar Grünwald (ehemals OMV) ab. Als Ersatzmitglieder wurden außerdem Elfriede Sole, Peter Knezu und Martin Hagleitner bestellt. Für Reichhold ist mit dieser Besetzung eine "ausgewogene und objektive Regulierungsarbeit" weiter garantiert.

SPÖ: "Politische Absetzung"

Die SPÖ sieht das anders und bezeichnete die Neubesetzung des Regulatorenpostens und der TKK als "ausschließlich politisch motivierte Absetzung von kompetenten Leuten, die sich inhaltlich nichts vorzuwerfen haben", kritisiert.

Optimismus ...

Der Verband der alternativen Netzbetreiber (VAT) sieht in dem Personalwechsel "neue Chancen" für alle Telekombetreiber und ist "zuversichtlich, dass die Regulierung in die richtige Richtung weitergeht". Serentschy sei der Branche bereits seit langem bekannt, man werde mit dem neuen Regulator in den kommenden Wochen "ein konzentriertes Gespräch" über dessen Ziele führen, sagte der stellvertretende VAT-Geschäftsführer Ronald Chodasz. Der VAT werde sich jedoch "kritisch anschauen", ob es tatsächlich ein Naheverhältnis zwischen Serentschy und der TA gebe.

...und Kritik

Herbe Kritik an der Neubesetzung übte der Verband der Internetprovider (ISPA). Mit der Verweigerung der Verlängerung des Vertrags von Otruba und dem Austausch von drei Mitgliedern der Telekom Control Kommission (TKK) habe sich die Telekom Austria "voll durchgesetzt", stellte ISPA-Generalsekretär Kurt Einzinger fest. Dies könne "das Ende der Telekom Liberalisierung in Österreich bedeuten". Die Neubesetzung sei ein "eindeutiges Zeichen", dass die TA-Kritik an Otruba Wirkung gezeigt habe und der neue Geschäftsführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Berater auch schon für die TA tätig gewesen sei. (APA)

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RTR

VAT

Ispa

  • Löst Heinrich Otruba als Telekomregulator ab: Consulter Georg Serentschy.
    foto: cremer

    Löst Heinrich Otruba als Telekomregulator ab: Consulter Georg Serentschy.

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