Service für Adoption aus dem Ausland

14. Oktober 2002, 18:27
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Grazer Internetplattform bietet Unterstützung bei bürokratischen Hürden

Graz - Beratung für adoptionswillige Eltern will eine neugegründete Internetplattform in der Steiermark bieten. Die "Adoptionsberatung.at" hat am Montag ihren Dienst aufgenommen, Zielgruppe der Beratung sind Eltern, die sich dazu entschlossen haben, ein ausländisches Kind zu adoptieren und sich über Möglichkeiten und Standards zu informieren. Das Projekt wird vom Sozialministerium mit rund 29.000 Euro unterstützt. Trägerverein ist die Kinder- und Jugendförderung - Pflegeelternverein Steiermark.

Sozialminister Herbert Haupt (FP) schickte die Homepage der Adoptionsberatung am Montagnachmittag in Graz bei der Eröffnung persönlich online und meinte, mit rund 180 Adoptionen in Österreich im Jahr seien nur 40 Prozent des Wunschbedarfes abgedeckt. Da es bei Adoptionen einen "Schrecken an Bürokratie" gebe, sei er froh, dass die "Grazer Plattform, für ganz Österreich über das Internet erreichbar", ihren Dienst aufgenommen habe. Nichts sei zum Beispiel schlimmer, als ein Kind zu adoptieren und dann fest zu stellen, dass beim rechtlichen Verfahren im Herkunftsland des Kindes etwas nicht in Ordnung gewesen sei. Die Plattform trage dazu bei, den Weizen von der Spreu der vielen Adoptionseinrichtungen und Vermittlungsagenturen zu trennen, so Haupt. In diesem Bereich gebe es viel Missbrauch, meinte der Minister.

Lange Wartezeiten

Hauptgrund einer Auslandsadoption seien die langen Wartezeiten bei Inlandsadoptionen von bis zu sieben Jahren, so Projektleiterin Jutta Eigner, die den Ablauf einer Auslandsadoption erläuterte: Erst müsse ein adoptionswilliges Paar sowohl bei den Behörden des Heimatlandes als auch bei jenen des Herkunftslandes des Kindes anerkannt werden. Nach der ärztlichen Untersuchung der künftigen Eltern und einem Sozialbericht durch die Bezirkshauptmannschaft oder das Jugendamt müsse die Auswahl des Herkunftslandes erfolgen. Eigner, selbst Adoptivmutter eines Mädchens aus Guatemala: "Die Entscheidung ist auch eine, bei der man sagen kann: Über den bürokratischen Aufwand traue ich mich drüber." Dem Herkunftsland müsse das übersetzte und beglaubigte Datenmaterial zur Verfügung gestellt werden. Nach der Auswahl des Kindes über eine Vermittlungsstelle erfolgen die Einreise nach Österreich, ein Gesundheitscheck und schließlich die Beantragung der österreichischen Staatsbürgerschaft für das Kind.

Laut Eigner kann diese Prozedur schnell vor sich gehen, aber auch über ein Jahr dauern, je nach den Rechtsstandards des Herkunftsland des Kindes. Auch die heimischen Standards sind unterschiedlich: So ist etwa in der Steiermark für künftige Adoptiveltern ein Kursbesuch verpflichtend, so Pflegeelternvereins-Geschäftsführer Dr. Friedrich Ebensperger. Auch ist eine frühe Entscheidung ratsam, da eine Inlandsvermittlung nur für Adoptivwerber bis zum 40. Lebensjahr gesetzlich vorgesehen ist. Dazu erklärte Haupt, dass hier an eine Gesetzesänderung zu denken sei, da es "mittlerweile durch die Fortschritte bei der Medizin auch biologisches Elternglück im Alter über 40 Jahren gibt". Haupt erklärte, es sei ihm ein Anliegen, dass die Kontinuität der Aktivität solcher Initiativen wie der Plattform gewahrt bleibe. Für 2002 und 2003 sei die Finanzierung mit je 14.500 Euro gewährleistet. Eigner bezifferte die Kosten einer Auslandsadoption mit 10.000 bis 20.000 Euro. (APA)

Informationen zur Adoptionsberatung

adoptionsberatung.at zu finden.

Hotline

03 16/822-433

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