Eine Schmiede für Profi-Schreiber

14. Oktober 2002, 18:35
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Masterprogramm und neuer Studiengang für Journalismus und PR

Geht es um die Ausbildung von Journalisten, stehen sich seit Jahren Verfechter zweier Standpunkte gegenüber: Die einen bedauern, dass es in Österreich keine adäquate Ausbildungsstätte gibt, die anderen bezweifeln, dass es eine solche überhaupt geben kann. Die einen meinen, dass man jeden Beruf, auch den des Journalisten, erlernen könne, die anderen glauben, der Job könne am wenigsten in der Theorie erfasst werden.

Heinz M. Fischer, der Leiter eines wenige Tage jungen Studiengangs an der FH-Joanneum in Graz, zählt zu ersteren. Mit dem Studiengang "Journalismus und Unternehmenskommunikation", dessen Lehrplan er selbst mitentwickelt hat, will er genau jene "Allrounder" produzieren, die Medien, aber auch Agenturen und Unternehmen bräuchten.

Das Interesse ist groß: Immerhin 320 Bewerbungen gab es für den neuen Studiengang, 28 wurden aufgenommen. Sie werden in den kommenden vier Jahren unter anderem in Medienrecht und Medienmanagement, aber auch Zeitgeschichte, Literatur und Englisch unterrichtet. Als zweite Fremdsprache wurden - die EU-Erweiterung und den Standort Graz berücksichtigend - Slowenisch und Kroatisch angeboten. Die Studierenden durften demokratisch entscheiden: Slowenisch machte das knappe Rennen.

Praxisnähe

Permanente Praxisnähe ist Fischer sowohl für den Bereich Journalismus, als auch für die PR besonders wichtig. Neben einem Berufspraktikum im siebenten Semester, werden die Studierenden von Anfang an durch "Gastauftritte" von Chefredakteuren aus Rundfunk und Fernsehen oder Kurzpraktika in Agenturen Realität schnuppern.

Gerade im PR-Bereich sieht Fischer einen enormen Bedarf an gut ausgebildeten Leuten: "Es ist unglaublich, wie viele große Unternehmen keine professionelle Öffentlichkeitsarbeit haben und dringend bräuchten." Durch den Schwerpunkt Unternehmenskommunikation unterscheide sich der Grazer Lehrgang auch deutlich von der 2000 von Krems nach Wien übersiedelten Europäischen Journalistenakademie (EJA), oder dem Publizistikstudium in Wien.

Darin wird Fischer auch von Meinrad Rahofer vom Salzburger Kuratorium für Journalistenausbildung rechtgegeben: "Die Schwerpunkte PR und Osteuropa sind wirklich gut und wichtig", so Rahofer, allerdings befürchte er, dass den jungen Leuten bezüglich einer Karriere als Journalisten Illusionen gemacht würden. Denn erstens verkleinere sich der Zeitungsmarkt - auch im Online-Bereich - zusehends und andererseits wären Allrounder weniger gefragt. Rahofer: "Ein Journalist muss auch Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet haben."

Diesem Anspruch folgt das Masterprogramm Qualitätsjournalismus an der Donau-Uni Krems, das als dreisemestriges Postgraduate Studium angeboten wird. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.10.2002)

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