Flakturm-Abschied mit "Golden Handshake"

14. Oktober 2002, 17:43
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Ein Grundstück im 7. Bezirk fürs Nicht-Bauen am Bunker

Wien - Raimund Wimmer will Freude bringen. Und wenn das nicht gehe, erklärt der Direktor der Arcotel-Gruppe, stehe er nicht an, umzudisponieren: "Das, was hier angeboten wird, wäre uns aber recht", erklärt Wimmer im Gespräch mit dem Standard. Damit könnte schon bald "Ende gut - alles gut" unter einem langen Bau-Wickel stehen: Der Debatte um die Überbauung des Flakturmes im Mariahilfer Esterházypark.

Wie der Standard berichtete, will Wimmers Hotelgruppe auf den Bunker einen rund 20 Meter hohen, gläsernen Kubus setzen. Sei es mit einem Hotel oder "Eventflächen" im Inneren. Unumstritten war, dass die Stadt mit dem Projekt mehr als unglücklich ist, Wimmer aber - dank dem hier zuständigen Bezirksbauausschuss - über eine gültige Baugenehmigung verfügt.

Bloß: Arcotel baute nicht. Über Jahre. Nun - Ende Oktober - läuft die Baugenehmigung aus. "Wir werden also beginnen", erklärt der Hotelchef - nicht zuletzt, weil er sonst seinen wichtigsten Trumpf verlieren würde: Das Druckmittel, das Stadtbild nachhaltig zu verändern.

Denn zwischen der Stadt und dem Hotelier laufen seit Jahren diskrete und intensive Verhandlungen: Um Wimmer zum Verzicht auf den Glasturm zu bewegen, wurden ihm bereits mehrere Grundstücke offeriert. Unter anderem in Simmering, der Leopoldstadt und Hietzing. Zumindest eine der Liegenschaften hätte eine Hotelwidmung gehabt.

Doch erst jetzt liegt dem Arcotel-Mann ein Angebot vor, dass ihm munden dürfte: Das leerstehende Gebäude in der Kandlgasse 30 (Neubau) könnte schon bald in den Besitz der Arcotel-Gruppe übergehen.

Kein Hotel möglich

Der Vorteil: Das bis vor kurzem von der MA 8 (Stadt- und Landesarchiv) genutzte Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe des Arcotel-Hotels am Neubaugürtel. Der Nachteil: In der Gasse, so Neubaus Bezirkschef Thomas Blimlinger (Grüne), sei an ein Hotel nicht zu denken. "An sich haben wir nichts gegen den Tausch."

Was genau Wimmer hier allerdings plant, ist unklar: Zuerst, so der Hotelchef, müssten die Verhandlungen unter Dach und Fach sein.

Dabei dürfte es allerdings nicht bloß um den Abtausch des Baurechtes am Bunker gegen die Liegenschaft in Neubau gehen: Im Rathaus spricht man davon, dass die Hotelkette sich mit einem "Golden Handshake" vom Flakturm verabschieden wolle - in den Gesprächen stehe die "zweistellige Schilling-Millionensumme" für die Erstattung von Planungskosten.

Offiziell war aus dem Rathaus dazu kein Statement zu bekommen: Das Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) verwies auf die Zuständigkeit von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (ebenfalls SP). Dort behauptete man jedoch, von Verhandlungen, Grundstückstransfer und Ablösegerüchten noch nie gehört zu haben. (Thomas Rottenberg; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.10.2002)

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