Hisbollah warnt Israel vor Angriff auf Wasserpumpstation im Libanon

14. Oktober 2002, 16:24
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EU legt Plan für umstrittene Wassernutzung vor

Beirut - Die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Südlibanon hat Israel vor einem Angriff auf die neue Wasserpumpstation am Wassani-Fluss gewarnt. "Der Libanon ist dabei, das uneingeschränkte Recht auf seine Wasserquellen zu übernehmen", sagte ein Hisbollah-Vertreter am Montag in der südlibanesischen Hafenstadt Tyrus. Am 16. Oktober will der Libanon die neue Pumpstation am Zufluss des See Genezareth in Betrieb nehmen. Das Werk soll 20 Dörfer im Grenzgebiet mit Wasser versorgen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte es als "Kriegsgrund" bezeichnet, sollte Libanon das Wasser ableiten.

Als Beitrag zum Abbau der Spannungen zwischen Israel und Libanon hat die EU Beirut einen Entwicklungsplan für Nutzung der Wasserreserven im Süden des Landes angeboten. Das Programm decke alle Bereiche des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in Südlibanon ab und sei Regierungschef Rafik Hariri vorgestellt worden, sagte der Delegationsleiter der EU-Kommission in Beirut, Patrick Renauld, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Der Plan schließe Vorschläge zur langfristigen Nutzung des Flusses Wassani ein. Die Nutzung des Wassani ist zwischen Libanon und Israel umstritten: Libanon will künftig mehr Wasser aus dem Fluss entnehmen, der über den Jordan-Zufluss Hasbani indirekt den See Genezareth und damit eine wichtige Trinkwasserquelle Israels speist.

Der Libanon koordiniere seine Wasserpolitik mit den zuständigen EU-Experten, sagte Renauld. Beirut wolle alle wasserpolitischen Entscheidungen in Absprache mit der UNO treffen. Der UN-Sondergesandte Terje Roed-Larsen wollte am Montag im Libanon über den Wasserstreit mit Hariri und Präsident Emile Lahoud beraten. Nach Angaben der US-Botschaft in Israel wollte parallel dazu der US-Experte Charles Lawson mit israelischen Regierungsvertretern über den Streit sprechen.

Der Libanon legte am Freitag dem UNO-Sicherheitsrat und der EU einen Bericht über die Nutzung des Wassani vor. Demnach würde das Land jährlich etwa zehn Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Wassani entnehmen und damit weit weniger als die 35 Millionen Kubikmeter, die dem Land in einem bis heute nicht ratifizierten Abkommen aus dem Jahr 1955 zugesprochen worden war. (APA/dpa)

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