"Blue Moon", "Nachtreise", "Im Anfang war der Blick"
Wien -
Im Mittelpunkt von Andrea
Dusls Kinodebüt, dem Roadmovies "Blue Moon", das bei den vergangenen
Filmfestspielen von Locarno uraufgeführt wurde und nun im Spielfilmprogramm der Viennale gezeigt wird, steht Josef Hader als
österreichischer Geldbote Johnny, den die Liebe vom sicheren Westen
tief in den Osten bis nach Odessa führt.
Ebenfalls in die Fremde,
wenn auch im eigenen Land, führt Kenan Kilics halbdokumentarischer
Film "Nachtreise", der einen Einblick in die Welt türkischer
Einwanderer in Österreich bietet. Er wurde bereits bei Diagonale gezeigt, im Rahmen der Viennale läuft er in der
Nachwuchs-Schiene "Who's next".
Die luxemburgische Künstlerin und Filmemacherin Bady Minck schafft
in "Im Anfang war der Blick" in der Dichterklause von Bodo Hell mit
experimentellen Techniken Landschaften aus Postkartenmotiven,
unterlegt von den Stimmen seiner Schriftstellerkollegen Friederike
Mayröcker und Ernst Jandl.
Dokumentarisches
Im Dokumentarfilmprogramm analysiert die Belgierin Nathalie
Borgers in "Kronen-Zeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück" die
auflagenstärkste Zeitung des Landes als spezifisch österreichisches
Phänomen. Zu Wort kommen neben dem Chefredakteur und Herausgeber Hans
Dichand seine Redakteure und Kommentatoren, Politiker und
Intellektuelle.
Dem Vorarlberger Künstler Edmund Kalb (1900-1952) ist
Stephan Setteles Porträt "Erwachen aus dem Schicksal" gewidmet. Der
kaum bekannte eigenwillige Maler, der von den Nazis inhaftiert wurde
und wegen seiner unbeugsamen Haltung auch nach dem Krieg immer wieder
in Konflikt mit Behörden und Psychiatrie geriet, hat u.a. eine Serie
von 1.000 Selbstporträts geschaffen. Später gab er seine
künstlerische Arbeit auf, widmete sich mathematischen und
pflanzenzüchterischen Versuchen und lebte dabei weitgehend autark vom
Ertrag aus dem eigenen Garten.
Kurzes
Zu den interessantesten Beiträgen im Kurzfilmprogramm zählt
Meinhart Ropps 20-Minuten-Streifen "Nach dem Tod des alten Roms":
eine Winterreise durch Russland, die wie eine Hommage an den frühen
Stummfilm wirkt. An den anderen Pol der Welt, an die Südspitze
Floridas nämlich, führt "Key West" (5 Min.) von Thomas Aigelsreiter,
mit Bildern eines Paradieses auf Erden aus den 50er Jahren. Zusammen
mit "Key West" im Kurzfilmprogramm 2 laufen auch Lotte Schreibers
"quadro" (10 Min.), das Porträt eines monumentalen
60er-Jahre-Wohnblocks in Triest, und Iris-Ines Feichtenbergers
Drei-Minuten-Film "Kicker kicken", in dem Tischfußball-Figuren mit
erigierten Penissen über ein Spielfeld aus pornografischen
Zeichnungen wedeln. Stefan Stratils Animationsfilm "I'm a Star!"
schließlich, ein sechsminütiger Comistrip über Frank Sinatra,
unterlegt mit Gesang von Louie Austen, wird als Vorfilm zu "Dracula -
Pages from a Virgin's Diary" gezeigt. (APA)