Österreichs Festival- Beiträge

14. Oktober 2002, 14:12
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"Blue Moon", "Nachtreise", "Im Anfang war der Blick"

Wien - Im Mittelpunkt von Andrea Dusls Kinodebüt, dem Roadmovies "Blue Moon", das bei den vergangenen Filmfestspielen von Locarno uraufgeführt wurde und nun im Spielfilmprogramm der Viennale gezeigt wird, steht Josef Hader als österreichischer Geldbote Johnny, den die Liebe vom sicheren Westen tief in den Osten bis nach Odessa führt.

Ebenfalls in die Fremde, wenn auch im eigenen Land, führt Kenan Kilics halbdokumentarischer Film "Nachtreise", der einen Einblick in die Welt türkischer Einwanderer in Österreich bietet. Er wurde bereits bei Diagonale gezeigt, im Rahmen der Viennale läuft er in der Nachwuchs-Schiene "Who's next".

Die luxemburgische Künstlerin und Filmemacherin Bady Minck schafft in "Im Anfang war der Blick" in der Dichterklause von Bodo Hell mit experimentellen Techniken Landschaften aus Postkartenmotiven, unterlegt von den Stimmen seiner Schriftstellerkollegen Friederike Mayröcker und Ernst Jandl.

Dokumentarisches

Im Dokumentarfilmprogramm analysiert die Belgierin Nathalie Borgers in "Kronen-Zeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück" die auflagenstärkste Zeitung des Landes als spezifisch österreichisches Phänomen. Zu Wort kommen neben dem Chefredakteur und Herausgeber Hans Dichand seine Redakteure und Kommentatoren, Politiker und Intellektuelle.

Dem Vorarlberger Künstler Edmund Kalb (1900-1952) ist Stephan Setteles Porträt "Erwachen aus dem Schicksal" gewidmet. Der kaum bekannte eigenwillige Maler, der von den Nazis inhaftiert wurde und wegen seiner unbeugsamen Haltung auch nach dem Krieg immer wieder in Konflikt mit Behörden und Psychiatrie geriet, hat u.a. eine Serie von 1.000 Selbstporträts geschaffen. Später gab er seine künstlerische Arbeit auf, widmete sich mathematischen und pflanzenzüchterischen Versuchen und lebte dabei weitgehend autark vom Ertrag aus dem eigenen Garten.

Kurzes

Zu den interessantesten Beiträgen im Kurzfilmprogramm zählt Meinhart Ropps 20-Minuten-Streifen "Nach dem Tod des alten Roms": eine Winterreise durch Russland, die wie eine Hommage an den frühen Stummfilm wirkt. An den anderen Pol der Welt, an die Südspitze Floridas nämlich, führt "Key West" (5 Min.) von Thomas Aigelsreiter, mit Bildern eines Paradieses auf Erden aus den 50er Jahren. Zusammen mit "Key West" im Kurzfilmprogramm 2 laufen auch Lotte Schreibers "quadro" (10 Min.), das Porträt eines monumentalen 60er-Jahre-Wohnblocks in Triest, und Iris-Ines Feichtenbergers Drei-Minuten-Film "Kicker kicken", in dem Tischfußball-Figuren mit erigierten Penissen über ein Spielfeld aus pornografischen Zeichnungen wedeln. Stefan Stratils Animationsfilm "I'm a Star!" schließlich, ein sechsminütiger Comistrip über Frank Sinatra, unterlegt mit Gesang von Louie Austen, wird als Vorfilm zu "Dracula - Pages from a Virgin's Diary" gezeigt. (APA)

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