Frauen fühlen sich in ihrer Sexualität "sehr eingeschränkt"

14. Oktober 2002, 14:10
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OÖ: Umfrage zu "Sex im Seniorenheim" will Tabu brechen

Linz - Das Tabuthema "Sex im Seniorenheim" stand im Mittelpunkt einer in Oberösterreich erstmals in dieser Form durchgeführten und jetzt veröffentlichten Umfrage. Demnach fühlt sich fast jedeR zweite AltersheimbewohnerIn - exakt 43 Prozent - in seinen/ihren sexuellen Bedürfnissen eingeschränkt. Oft fehlt es an Möglichkeiten, sich mit einem Partner / einer Partnerin irgendwo zurückzuziehen. Das Pflegepersonal reagiert auf das Thema "Sexualität" widersprüchlich; soweit die Ergebnisse der Umfrage.

Professor Josef Schmied - ein pensionierter Pädagoge, der jahrelang in der Lehreraus- und -fortbildung im Bereich Sexualerziehung tätig war - hat die Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer Informationsbroschüre der "Sozialmedizinischen Betreuungsringe" veröffentlicht. Befragt wurden 62 Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen sowie 132 Pflegerinnen und Pfleger von insgesamt zehn Heimen. "Die Ergebnisse sind keinesfalls repräsentativ, sie sollen aber einen Denkanstoß für die weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema darstellen", schreibt Schmied einleitend.

Sex als "durchaus normal"

63 Prozent der befragten SeniorenheimbewohnerInnen sagten, sie würden Sex im Alter als "durchaus normal" empfinden, 18 Prozent waren gegenteiliger Meinung, der Rest machte keine Angaben dazu. In dieser Frage gab es zwischen Männern  und Frauen keine wesentlichen Meinungsunterschiede.

45 Prozent erklärten, sie hätten im Heim grundsätzlich die Möglichkeit, "sich mit einem Partner zurückzuziehen". 34 Prozent sagten, eine solche Möglichkeit bestehe nicht, der Rest enthielt sich der Stimme. Wobei sich hier zeigte, dass die Männer - zu 67 Prozent - deutlich mehr Chancen sehen, sich mit eineR PartnerIn allein zurückzuziehen als die Frauen, von denen dies nur 39 Prozent sagten. In zwei Heimen gab es ein Verbot, die Zimmer von innen abzuschließen. Eines steht für Schmied jedenfalls fest: "Offensichtlich hat der Umgang mit den Möglichkeiten zur Realisierung von Sexualität im Heim eine hohe Bedeutung auch für die Lebensqualität und die Zufriedenheit der Bewohner".

Akzeptanz

Ein "drastisches Potenzial an Unzufriedenheit" ortet die Studie bei der Frage: "Wie fühlen sich die Heimbewohner in ihren sexuellen Wünschen durch das Heim akzeptiert ?". 34 Prozent sagten, sie fühlten sich in ihren sexuellen Wünschen und Bedürfnissen im Seniorenheim "sehr" und weitere neun Prozent "etwas" eingeschränkt. Nur 21 Prozent sagten, sie seien in dieser Hinsicht "frei", der Rest antwortete "weder noch" oder machte keine Angaben. Wobei sich die weiblichen Heimbewohner überdurchschnittlich - nämlich zu 37 Prozent - in ihrer Sexualität "sehr eingeschränkt" fühlen, die Männer hingegen nur zu 27 Prozent. "Frei" fühlen sich hingen 33 Prozent der Männer und nur 17 Prozent der Frauen.

Was das Pflegepersonal anlangt, so sagten zwar 92 Prozent ausdrücklich "Ja" zur Sexualität im Alter. Schmied sieht dies aber als "sozial erwünschte" Antworten, tatsächlich seien nämlich - so ergab die weitere Befragung - "zwischen 40 und 50 Prozent der Pfleger der Überzeugung, dass Sexualität doch für die alten Menschen kein Thema mehr sein sollte". Als Konsequenz spricht sich Schmied für eine bessere "Schulung" des Pflegepersonals im Umgang mit der Sexualität der BewohnerInnen aus - und hält selbst schon Vorträge. (APA)

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