"EU-Osterweiterung unabdingbar"

14. Oktober 2002, 19:28
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Frantschach-Chef Veit Sorger will bei Privatisierungsstopp Aufsichtsrat der ÖIAG verlassen - Papierkonzern auf Expanionskurs

Wien - Veit Sorger, Chef des Papierkonzerns Frantschach und einer von zehn Kapitalvertretern im Aufsichtsrat der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, will diese verlassen, sollte von dem in den vergangenen Jahren gefahrenen Privatisierungskurs abgegangen werden. "Ich habe genug anderes zu tun", sagte Sorger am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Er unterstütze das Vorhaben der schwarz-blauen Regierung, die ÖIAG-Beteiligungen im Laufe der kommenden Legislaturperiode in andere Hände zu geben. Sorger: "Hergeschenkt wird nichts, wir sollten die Privatisierung aber vernünftig vorantreiben."

Einen Privatisierungsstopp hat in der Vorwoche SP-Verkehrssprecher Kurt Eder angekündigt, sollte die SPÖ nach den Wahlen wieder Regierungsverantwortung übernehmen. "Zunächst müssen die Verkaufspläne gestoppt werden. Dann gilt es die Situation von Fall zu Fall neu zu beurteilen", sagte Eder. Nach etlichen Privatisierungen sind in der ÖIAG noch Anteile der Republik an insgesamt acht Unternehmen geparkt, darunter Böhler-Uddeholm, OMV und Telekom Austria.

Reformen, Reformen

Sorger, der sich nach dem Auseinanderbrechen der großen Koalition für eine politische Wende eingesetzt hatte, sieht von der mittlerweile gescheiterten schwarz-blauen Regierung einiges auf den richtigen Weg gebracht. Vor allem bei der Staats- und Verwaltungsreform bleibe aber noch viel zu tun. "Daran kommt keine Regierung vorbei", sagte Sorger. Unvorstellbar ist für den Frantschach-Chef auch ein Partner in der Regierung, der nicht voll und ganz für die EU-Osterweiterung eintritt. "Das ist unabdingbar und eine große Chance für Österreich."

Kaufgelüste

Der österreichische Papierkonzern Frantschach, der zu 70 Prozent der südafrikanischen Mondi-Gruppe und zu 30 Prozent der Familie Kaufmann/Hartmann gehört, profitiert nach Angaben von Sorger derzeit stärker vom Ostengagement als jemals zuvor. Während die Nachfrage in Westeuropa und anderen Teilen der Welt nicht gerade rosig sei, entwickelten sich die Märkte im Osten weiter dynamisch. Deshalb werde es der Frantschach Gruppe trotz der schwierigen Konjunktur möglich sein, Umsatz und Ertrag leicht zu steigern.

Nach den Übernahmen der Nord-West-Verpackungen in Deutschland und des Verpackungsspezialisten Wheatley in Großbritannien steht Frantschach vor weiteren Akquisitionen. "In China, Serbien, Rumänien und Tunesien sind wir dicht dran", sagte Sorger. In allen Fällen handle es sich um Verpackungsunternehmen. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 15.10.2002)

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    Frantschach-Chef Veit Sorger: Heuer bereits 45 Millionen Euro in die Expansion investiert. Projekte in Serbien, Rumänien, Tunesien und China stehen vor dem Abschluss.

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