Zahl der Skeptiker nimmt deutlich zu

15. Oktober 2002, 12:40
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Studie zeigt "Extremisierung der Meinungen" - Allerdings kommt ein Großteil mit dem Euro "gut zurecht"

Wien - Der Euro polarisiert neun Monate nach seiner Einführung so stark wie noch nie: Eine vom Meinungsforschungsinstitut Fessel-GfK gemeinsam mit der Uni Wien im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) durchgeführte Umfrage zeigt einen deutlichen Anstieg der Euroskeptiker.

Lehnten im Februar nur 18 Prozent die Einheitswährung ab, waren es im September 28 Prozent. Die Zahl der Befürworter blieb mit 71 Prozent nahezu unverändert, nur ein Prozent hat zu diesem Thema keine Meinung mehr.

"Es ist zu einer Extremisierung der Meinungen gekommen", sagte Psychologieprofessor Erich Kirchler. Die Eurobefürworter seien besser gebildet und würden Veränderungen offener gegenüber stehen. Die Gegner hätten generell eine pessimistischere Zukunftssicht.

Emotionen

"Während für die Befürworter Sachinhalte wichtig sind, zählen bei den Gegnern Emotionen. Selbst massive Info-Kampagnen wie bei der Euroeinführung kommen nur sehr schwer an diese Leute heran", sagte Fessel-GfK-Chef Rudolf Bretschneider.

Das Problem sei, dass sich die Gegner "ihre Prophezeiungen selbst erfüllen": Wer etwa vor der Euroeinführung mit langen Warteschlangen bei den Kassen gerechnet habe, nehme nun den Rechner mit und verlängere so die eigene Wartezeit.

Besseres Gefühl

Das Gefühl der Österreicher für die neue Währung verbessert sich langsam, aber sicher. 19 Prozent der Befragten rechnen fast nur mehr in Euro, weitere 28 Prozent haben im Umgang mit dem Euro ein "ziemlich gutes Gefühl". Auch der Anteil derer, die bereits "sehr gut" mit der neuen Währung zurechtkommen, ist mit 63 Prozent so hoch wie nie zuvor, sagte OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek.

Dementsprechend rechnen fast zwei Drittel der Befragten bei Gütern des täglichen Bedarfs nicht mehr in Schilling um, sondern orientieren sich an gängigen Preisen. Konsumentenschützer empfehlen trotzdem, weiter auf die Preise zu achten und Konsumentscheidungen zu überlegen. "Wenn das Krügerl in einem Lokal vier Euro kostet, sollte man eher nur eines, und nicht gleich drei oder vier trinken", so AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann. (zwi, DER STANDARD, Printausgabe 15.10.2002)

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