Reisebüros verzeichnen Umbuchungen und vereinzelt Stornos

14. Oktober 2002, 13:52
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Umbuchungen nach Warnung des Außenministeriums gratis - Auch Flüge Frankreich-Bali abgeblasen

Wien - Nach den Terroranschlägen auf der Ferieninsel Bali gehen bei den österreichischen Reisebüros seit gestern laufend Umbuchungen und vereinzelt auch Stornierungen ein. Einige Österreich-Urlauber auf Bali brechen auch vorzeitig ihren Aufenthalt ab. Um die Auswirkungen der Anschläge auf die Tourismuswirtschaft im Detail beziffern zu können, müss man erst abwarten, ob es möglicherweise noch Folgeanschläge gebe, lautete der Tenor bei einem APA-Rundruf bei österreichischen Reisebüros und -veranstaltern.

Auf Grund der Warnung des österreichischen Außenministeriums vor Reisen nach Bali, Lombok und Umgebung haben alle Urlauber, die unmittelbar vor Urlaubsantritt in die gefährdeten Regionen Indonesiens stehen, generell ein Recht auf kostenlosen Rücktritt bzw. Rückerstattung geleisteter Anzahlungen, wie am Montag ÖAMTC-Juristin Urlsula Zelenka betonte.

Bei einem der größten österreichischen Asienreise-Veranstalter Jumbo Touristik gibt es bis dato mehr als 20 Umbuchungen und einzelne Stornierungen, berichtete Verkaufsleiter Karsten Weinzierl auf APA-Anfrage. Ob die Destination Indonesien und im Speziellen Bali durch die Anschläge nachhaltig geschädigt sei, hänge von den weiteren Ereignissen und auch von der Art und Weise der Medienberichterstattung ab. Jumbo Touristik befördert jährlich rund 1.000 bis 1.500 Urlauber nach Indonesien bzw. Bali, umsatzmäßig entfallen bei Jumbo 10 Prozent auf diese Destinationen.

Das Österreichische Verkehrsbüro (ÖVB), das ebenfalls einige Umbuchungen erwartet, will Bali-Urlaubern die Möglichkeit bieten, ohne Zusatzkosten früher nach Österreich zurückzukehren, wie ÖVB-Sprecher Andreas Zenker am Montag zur APA sagte. Man versuche derzeit, mit allen ÖVB-Reisenden in Bali Kontakt aufzunehmen, was aber noch nicht geglückt sei. Alle Urlauber, die man erreicht habe, seien wohlauf. Wie viele Verkehrsbüro-Kunden sich gerade in Bali aufhielten, werde zur Zeit geprüft. "Es sind aber sicher nicht viele, Bali befindet sich nicht unter den Top 20 der Destinationen."

Österreichs zweitgrößter Reiseveranstalter, Thomas Cook Österreich, die frühere Neckermann Österreich, hat derzeit keine heimischen Urlauber auf Bali und auch keine Buchungen dorthin laufen. Die Destination Indonesien sei schon bisher keine "Hitstrecke" für Thomas Cook gewesen, daher habe man sie schon vor geraumer Zeit für das am 1. November startende Winterprogramm aus dem Angebot genommen, wie es am Montag aus dem Büro von Vorstandschef Franz Erich Tobisch hieß.

Reiseveranstalter blasen Flüge Frankreich-Bali ab

Nach dem verheerenden Terroranschlag auf Bali haben auch französische Reiseveranstalter ihre Reisen zu der indonesischen Insel abgeblasen. FRAM in Toulouse, die TUI-Tochterfirma Nouvelles Frontieres und die französische Tochter des Schweizer Reisekonzerns Kuoni setzten am Montag bis auf weiteres alle Flüge von Frankreich nach Bali aus.

Damit folgten die Firmen den Empfehlungen des Pariser Außenministeriums, sagte FRAM-Chef Georges Colson der Nachrichtenagentur AFP. Das französische Außenamt rät nicht nur von Reisen nach Bali ab, sondern auch von allen nicht notwendigen Reisen auf die anderen Inseln Indonesiens.

Allein Kuoni France brachte zuletzt 175 Reisende nach Indonesien. Diese seien alle wohlauf, betonte ein Firmensprecher. Sollten einige der Kunden vorzeitig nach Frankreich zurück wollen, würde dieser Wunsch soweit wie möglich erfüllt. Wie Kuoni stoppte auch Nouvelles Frontieres alle Abflüge für mindestens eine Woche. Wöchentlich fliegt das TUI-Tochterunternehmen normalerweise zwischen 100 und 250 Touristen nach Indonesien.

Mit FRAM verbringen derzeit 28 Touristen aus Frankreich Ferien auf Bali. Keiner von ihnen habe eine vorzeitige Rückreise gewünscht, betonte Firmenchef Colson. Wer eine Bali-Reise gebucht habe, dem schlage sein Unternehmen eine Tour-Alternative, eine Verschiebung oder eine Erstattung vor.

Der französische Tourismus nach Indonesien betreffe kleine Gruppen und sei hochpreisig, sagte FRAM-Chef Colson - während Bali für die australische Kundschaft eine Art Ibiza sei, das vor allem viele junge Leute anziehe. Unter den jährlich rund fünf Millionen Touristen auf Bali befänden sich nur rund 80.000 Franzosen. (APA)

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