"Priesterinnen"-Buch soll eingestampft werden

14. Oktober 2002, 12:44
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Nach einstweiliger Verfügung der Erzdiözese München

München/Wien - Der Düsseldorfer "Patmos"-Verlag hat angekündigt, das Buch "Wir sind Priesterinnen" einzustampfen. Das berichtet Kathpress am Montag. Die Erzdiözese München hatte Ende Juni eine Einstweilige Verfügung des Landgerichtes München I erreicht, dass die Auslieferung des Buches zu stoppen ist. Grund war die Behauptung im Klappentext und in der Verlagswerbung zum Buch, die am 29. Juni auf einem Donauschiff zwischen Passau und Linz vorgenommenen Priesterweihen an Frauen seien von "römisch-katholischen Bischöfen" vorgenommen worden.

Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro war der Verlag aufgefordert worden, diese Behauptung zu unterlassen. Das Münchner Ordinariat machte geltend, dass nur derjenige römisch-katholischer Bischof sei, der in Einheit mit dem Papst und dem Bischofskollegium der Kirche stehe. Dies sei bei den Akteuren der "Priesterinnenweihe" nicht der Fall.

Kein Einspruch geplant

Der Verlag ließ in der Folge Rechtsmittel gegen die Verfügung des Münchner Gerichtes prüfen. Vor wenigen Tagen teilte der Verlag den beiden Herausgebern des Buches, Gisela Forster, Sprecherin der deutschen "Priesterinnen", und dem österreichischen Journalisten Werner Ertel mit, dass er auf einen Einspruch verzichten werde. Da das Buch nun "objektiv unverkäuflich" geworden sei, werde der Verlag das Buch makulieren lassen.

In der Auseinandersetzung ging es wesentlich um die Frage, ob der weihende "Bischof" Romulo Braschi als "römisch-katholisch" bezeichnet werden kann. Braschi, der sich selbst als Erzbischof einer von ihm selbst gegründeten "Katholisch-Apostolischen Charismatischen Kirche Jesus König" bezeichnet, hatte vor den Weihen in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, klargestellt, er nehme die Weihen "keinesfalls für die römisch-katholische Kirche vor".

Weihe nach dem Ritus der römisch-katholischen Kirche vollzogen

In einer schriftlichen "Übereinkunft" Braschis mit den "Priesterinnen" heißt es zwar, die Weihe werde nach dem Ritus der römisch-katholischen Kirche vollzogen, denn es sei der Wunsch der betreffenden Frauen, "der römisch-katholischen Kirche verbunden zu bleiben". Nach der Verfügung des Münchner Gerichts hatte Braschi zwar betont, er sei römisch-katholisch aufgewachsen und habe auch seine Bischofsweihe von einem "römisch-katholischen" Bischof empfangen, daher sei er "berechtigt", die Bezeichnung römisch-katholischer Bischof zu tragen, "wenn es mein Wunsch wäre". Gleichzeitig erklärte Braschi, er sei "nicht für Rom aktiv" und habe die Priesterinnen auch "nicht für Rom geweiht". Offenbar waren die nicht eindeutigen Festlegungen Braschis zu wenig, um die Verfügung gegen das Buch rechtlich zu kippen. (APA)

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