Internationale Zeitungen zu Anschlägen auf Bali

14. Oktober 2002, 12:14
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"Le Figaro": Neue Spirale der Gewalt - "La Stampa": Islamische Terroristen wollen Kapitulation des Westens

Paris/Rom - Die Bombenanschläge auf der indonesischen Ferieninsel Bali standen am Montag im Mittelpunkt internationaler Zeitungskommentare.

Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" schreibt:

"Der Terroranschlag auf Bali ist ein neues Symbol auf der langen Liste der Mörder. Der Westen wird überall zur Zielscheibe, auch in einem als paradiesisch geltenden Ferienort. (...) Die Regierung (von US-Präsident George W.) Bush kann nach der Bluttat in Indonesien ihren Kreuzzug mit neuen Argumenten rechtfertigen, um die volle Unterstützung der alliierten Regierungen im Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen und nach der Logik Washingtons auch gegen den Irak. Es kann sich eine Spirale entwickeln, in der Regeln und Prinzipien der internationalen Beziehungen weggefegt werden, und in der die Bedenken einiger Länder, wie Frankreich, nicht mehr so schwer wiegen könnten."

Die bürgerliche Turiner Zeitung "La Stampa" kommentiert:

"Der Anschlag auf Bali, ein eher unwahrscheinliches, ein irrationales Ziel, um nicht zu sagen, ein lächerliches Ziel, hat uns einige simple Dinge gezeigt: Die Macht des islamischen Terrorismus ist global, die Strategie heißt Angst zu verbreiten, und das Ziel ist die Gründung eines weltweiten Kalifenreichs und die Kapitulation des an Luxus und Laster gewöhnten Westens. So schätzt es der sunnitische Wahabismus eines Bin Ladens ein, ebenso wie der Laizismus eines Saddam Hussein oder die extremsten Strömungen der Ayatollahs im Iran (...) . Die Trennungen von einst gibt es nicht mehr: Es handelt sich um einen Terror."

Der Zürcher "Tages-Anzeiger" analysiert:

"Es war ein geballter und gezielter Schlag, der sich gegen Ausländer richtete oder, genauer gesagt, gegen die 'westliche Dekadenz', wie Islamisten sie auch in Indonesien immer lauter anprangern. (...) Blindwütig setzen sich die Extremisten zur Wehr, mit fatalen Folgen, für Unschuldige wie für die Region. Ihr Terror trifft den wirtschaftlichen Lebensnerv, lässt immer mehr Menschen verelenden, schafft immer mehr Unzufriedene. Der Anschlag in Bali und die Wahlen in Pakistan sind ein Alarmzeichen. Weder mit Abwarten und Zuschauen noch mit Gewalt ist dem fundamentalistischen Bodensatz beizukommen. Solange die Masse der Muslime an den Rand gedrängt wird, ist der Kampf gegen den Terror nicht zu gewinnen." (APA)

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