Martin Arnold, Antonin Artaud, Turhan Bey, Zeki Demirkubuz, Frieda Grafe, Klaus Wyborny, Japanese Visuals und der "Dritten Mann"
Wien - Special Programs gibt es im Rahmen der
Viennale 2002 zum österreichischen Avantgardefilmer Martin Arnold, dem
türkischen Regisseur Zeki Demirkubuz, dem deutschen Filmemacher Klaus
Wyborny, dem türkisch-österreichischen Schauspieler Turhan Bey, dem
Universalkünstler Antonin Artaud, zu neuer japanischer Medienkunst,
Carol Reeds Nachkriegsklassiker "Der dritte Mann" und der im Juli
verstorbenen Filmjournalistin Frieda Grafe, der das diesjährige
Festival insgesamt gewidmet ist.
Martin Arnold hat Carl Theodor Dreyers Stummfilm "La passion de
Jeanne d'Arc" (1928) bearbeitet. Seine zwölfstündige Filminstallation
"Jeanne Marie Renee" wird täglich ab 18 Uhr im öffentlichen Raum -
auf die Fensterfront im Wiener Akademiehof - projiziert, parallel
dazu sind unter dem Titel "Martin Arnold: Deanimated" Arbeiten von
ihm in der Kunsthalle Wien zu sehen. Dreyers Stummfilm wird im Rahmen
des Artaud-Specials gezeigt.
"Antonin Artaud und das Kino" würdigt Artaud (1896-1948) als
Filmschauspieler und Autor. Gezeigt werden u.a. Abel Gances "Napoleon
vu par Abel Gance" (1925-27) mit Artaud als Marat, Fritz Langs
"Liliom" (1933) mit Artaud als Scherenschleifer oder Germaine Dulacs
"La coquille et le clergyman" (Die Muschel und der Priester) nach
Artauds Drehbuch. Ergänzend findet eine Lesung von Artaud-Texten mit
Ignaz Kirchner statt. Im Museum moderner Kunst ist Artaud parallel
eine große Ausstellung gewidmet.
Klaus Wyborny, geboren 1945 bei Magdeburg, kam als Physikstudent
über den Arbeitskreis Film und Fernsehen an der Hamburger Uni zum
Experimentalfilm. Unter dem Titel "Die Befreiung der Bilder" werden
sechs sehr verschiedene, eigenwillige Arbeiten des Filmemachers
gezeigt, der auch als Maler, Musiker und Performer agiert, von 1969
bis zu seinem jüngsten Skandalfilm "Sulla" (1990-2002) über den
römischen Diktator mit Hanns Zischler in der Titelrolle.
Mit den fünf Spielfilmen, die Zeki Demirkubuz seit 1994 gedreht
hat, wird einer der bemerkenswertesten jüngeren türkischen
Filmemacher vorgestellt. Das Thema des 1964 in der Türkei geborenen
Autorenfilmers ist die Dunkelheit der menschlichen Seele, seine
Arbeiten erzählen von der Vereinsamung des Großstadtindividuums in
der Türkei von heute. Seine beiden jüngsten Filme "Yazgi" ("Fate")
nach Albert Camus' "Der Fremde" und "Itiraf" ("Confession") sind die
beiden ersten Teile einer Trilogie namens "Tales of Darkness" und
liefen heuer auch beim Filmfestival in Cannes.
Turhan Bey wurde 1922 als Sohn eines Türken und einer Badenerin in
Wien geboren und machte in den 40er Jahren als Filmschauspieler in
Hollywood Karriere. In den 50er Jahren kehrte er nach Wien zurück und
arbeitete als Fotograf. Die Hommage "Abenteuer in Hollywood" zeigt
neben dem Thriller "The Spiritualist"(1948) von Bernhard Vorhaus mit
Bey als mysteriösem Fremdem das Porträt "Turhan Bey - Vom Glück
verfolgt" (2002), der zweite Dokumentarfilm der Schauspielerin Andrea
Eckert.
Die Londoner Agentur onedotzero organisiert das gleichnamige,
jährlich in London stattfindende größte digitale Filmfestival der
Welt. Das Special "Japanese Visuals" präsentiert zwei von onedotzero
zusammengestellte Programme mit den neuesten japanischen Trends im
Bereich Video, Animation, Computergrafik und Computerspiel.
Carol Reeds "The Third Man" (1949) wird in einer restaurierten
Fassung im Rahmen einer Galavorstellung mit anschließendem
Werkstattgespräch gezeigt. Parallel zur Eröffnung der Ausstellung
"Wien auf den Spuren eines Filmklassikers" im Historischen Museum
wird auch ein Buch über die schillernde Entstehungsgeschichte des
"Dritten Manns" präsentiert.
Im Rahmen des Specials für Frieda Grafe (1934-2002) schließlich
wird eine Hommage von Enno und Igor Patalas, ihrem Mann und ihrem
Sohn, an die wohl bedeutendste deutschsprachige Filmjournalistin
gezeigt, weiters Frank Tashlins US-Satire "Will Success Spoil Rock
Hunter?" (1957) mit Jayne Mansfield, und Agnes Vardas Dokumentarfilm
"Deux ans apres" (Zwei Jahre danach"). Die Fortsetzung von "Les
glaneurs et la glaneuse" (Der Sammler und die Sammlerin) erlebt bei
der Viennale ihre Uraufführung: Varda hat die Premiere ihrer
langjährigen Freundin Frieda Grafe gewidmet. (APA)