Special Programs - eine Übersicht

14. Oktober 2002, 14:04
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Martin Arnold, Antonin Artaud, Turhan Bey, Zeki Demirkubuz, Frieda Grafe, Klaus Wyborny, Japanese Visuals und der "Dritten Mann"

Wien - Special Programs gibt es im Rahmen der Viennale 2002 zum österreichischen Avantgardefilmer Martin Arnold, dem türkischen Regisseur Zeki Demirkubuz, dem deutschen Filmemacher Klaus Wyborny, dem türkisch-österreichischen Schauspieler Turhan Bey, dem Universalkünstler Antonin Artaud, zu neuer japanischer Medienkunst, Carol Reeds Nachkriegsklassiker "Der dritte Mann" und der im Juli verstorbenen Filmjournalistin Frieda Grafe, der das diesjährige Festival insgesamt gewidmet ist.

Martin Arnold hat Carl Theodor Dreyers Stummfilm "La passion de Jeanne d'Arc" (1928) bearbeitet. Seine zwölfstündige Filminstallation "Jeanne Marie Renee" wird täglich ab 18 Uhr im öffentlichen Raum - auf die Fensterfront im Wiener Akademiehof - projiziert, parallel dazu sind unter dem Titel "Martin Arnold: Deanimated" Arbeiten von ihm in der Kunsthalle Wien zu sehen. Dreyers Stummfilm wird im Rahmen des Artaud-Specials gezeigt.

"Antonin Artaud und das Kino" würdigt Artaud (1896-1948) als Filmschauspieler und Autor. Gezeigt werden u.a. Abel Gances "Napoleon vu par Abel Gance" (1925-27) mit Artaud als Marat, Fritz Langs "Liliom" (1933) mit Artaud als Scherenschleifer oder Germaine Dulacs "La coquille et le clergyman" (Die Muschel und der Priester) nach Artauds Drehbuch. Ergänzend findet eine Lesung von Artaud-Texten mit Ignaz Kirchner statt. Im Museum moderner Kunst ist Artaud parallel eine große Ausstellung gewidmet.

Klaus Wyborny, geboren 1945 bei Magdeburg, kam als Physikstudent über den Arbeitskreis Film und Fernsehen an der Hamburger Uni zum Experimentalfilm. Unter dem Titel "Die Befreiung der Bilder" werden sechs sehr verschiedene, eigenwillige Arbeiten des Filmemachers gezeigt, der auch als Maler, Musiker und Performer agiert, von 1969 bis zu seinem jüngsten Skandalfilm "Sulla" (1990-2002) über den römischen Diktator mit Hanns Zischler in der Titelrolle.

Mit den fünf Spielfilmen, die Zeki Demirkubuz seit 1994 gedreht hat, wird einer der bemerkenswertesten jüngeren türkischen Filmemacher vorgestellt. Das Thema des 1964 in der Türkei geborenen Autorenfilmers ist die Dunkelheit der menschlichen Seele, seine Arbeiten erzählen von der Vereinsamung des Großstadtindividuums in der Türkei von heute. Seine beiden jüngsten Filme "Yazgi" ("Fate") nach Albert Camus' "Der Fremde" und "Itiraf" ("Confession") sind die beiden ersten Teile einer Trilogie namens "Tales of Darkness" und liefen heuer auch beim Filmfestival in Cannes.

Turhan Bey wurde 1922 als Sohn eines Türken und einer Badenerin in Wien geboren und machte in den 40er Jahren als Filmschauspieler in Hollywood Karriere. In den 50er Jahren kehrte er nach Wien zurück und arbeitete als Fotograf. Die Hommage "Abenteuer in Hollywood" zeigt neben dem Thriller "The Spiritualist"(1948) von Bernhard Vorhaus mit Bey als mysteriösem Fremdem das Porträt "Turhan Bey - Vom Glück verfolgt" (2002), der zweite Dokumentarfilm der Schauspielerin Andrea Eckert.

Die Londoner Agentur onedotzero organisiert das gleichnamige, jährlich in London stattfindende größte digitale Filmfestival der Welt. Das Special "Japanese Visuals" präsentiert zwei von onedotzero zusammengestellte Programme mit den neuesten japanischen Trends im Bereich Video, Animation, Computergrafik und Computerspiel.

Carol Reeds "The Third Man" (1949) wird in einer restaurierten Fassung im Rahmen einer Galavorstellung mit anschließendem Werkstattgespräch gezeigt. Parallel zur Eröffnung der Ausstellung "Wien auf den Spuren eines Filmklassikers" im Historischen Museum wird auch ein Buch über die schillernde Entstehungsgeschichte des "Dritten Manns" präsentiert.

Im Rahmen des Specials für Frieda Grafe (1934-2002) schließlich wird eine Hommage von Enno und Igor Patalas, ihrem Mann und ihrem Sohn, an die wohl bedeutendste deutschsprachige Filmjournalistin gezeigt, weiters Frank Tashlins US-Satire "Will Success Spoil Rock Hunter?" (1957) mit Jayne Mansfield, und Agnes Vardas Dokumentarfilm "Deux ans apres" (Zwei Jahre danach"). Die Fortsetzung von "Les glaneurs et la glaneuse" (Der Sammler und die Sammlerin) erlebt bei der Viennale ihre Uraufführung: Varda hat die Premiere ihrer langjährigen Freundin Frieda Grafe gewidmet. (APA)

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