Ein neuer WEB-Prozess beginnt

14. Oktober 2002, 19:49
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150-Millionen-Euro-Pleite - Banker nach dreizehn Jahren vor Gericht

Salzburg - Die Mühlen der Justiz mahlen - langsam: Rund 13 Jahre nachdem 1989 mit dem Zusammenbruch des WEB-Bautreuhand-IMMAG Imperiums einer der größten Wirtschaftsskandale der Zweiten Republik aufgeflogen war, stehen seit Montag fünf von sechs in diesem Zusammenhang angeklagten Managern der Salzburger Sparkasse vor Gericht. Der Exvorstandsdirektor Harald Zimmerl ist zwar auch angeklagt, der 74-Jährige ist aber nicht verhandlungsfähig. Somit müssen sich nur seine Exstellvertreter und Manager der mittleren Ebene verantworten.

Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft Beitrag zum Betrug beziehungsweise zur Untreue vorgeworfen. Konkret geht es um die so genannten Verrechnungsräder: Dabei wurden an einzelnen Tagen Hunderte Millionen Schilling in dem in unzählige Teile gegliederten Imperium im Kreis geschickt. Damit sollte den etwa 25.000 Anlegern, die letztlich um knapp 150 Millionen Euro geprellt wurden, Liquidität vorgespielt werden.

Geldbeträge so hoch wie täglicher Giro-Umsatz

Die Staatsanwaltschaft geht in dem dritten Verfahren rund um den WEB-Skandal davon aus, dass solche Summen nur mit Mitwissen der Sparkassen-Chefs bewegt werden konnten. Die Geldbeträge seien laut Anklageschrift so hoch gewesen wie der normale Giro-Umsatz der Sparkasse an einem Tag.

Die Beschuldigten bestritten dies stets: Sie hätten in die Gebarung der Firmen keinen Einblick nehmen können, und dass die Firmen des Imperiums unter einheitlicher Leitung gestanden wären, sei damals nicht bekannt gewesen.

Ein Teil dieser einheitlichen Leitung des Bauimperiums ist inzwischen rechtskräftig verurteilt. Der Ex-WEB-Chef und IMMAG-Manager fassten im ersten WEB-Verfahren neun Jahre Haft aus. Der oft als Erfinder dieses Immobilienbetruges bezeichnete ehemalige Staatsanwalt Norman Graf lebt als inzwischen als deutscher Staatsbürger für die österreichische Justiz unerreichbar in Deutschland. Schuldsprüche aus der zweiten Prozessstaffel gegen andere Manager sind noch nicht rechtskräftig. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

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