Erwarteter Wahltriumph der griechischen Rechten blieb aus

14. Oktober 2002, 19:33
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Griechische Linke siegt bei Regionalwahlen - Konservative verlieren in bevölkerungsreichster Präfektur Athen-Piräus

Athen - Bei den griechischen Regional- und Bürgermeisterwahlen vom Sonntag ist der vorausgesagte Erdrutschsieg der oppositionellen konservativen "Neuen Demokratie" (Nea Dimokratia/ND) ausgeblieben, die sich davon die Herbeiführung von vorgezogenen Parlamentswahlen erhofft hatte. Die Niederlage der regierenden Sozialisten fiel weitaus weniger schlimm aus als erwartet.

Bürgermeisterkandidatin in Athen muss in die zweite Runde

In der Hauptstadt Athen hat die ND-Bürgermeisterkandidatin, Ex-Kulturministerin Dora Bakoyannis (47), die erforderliche absolute Mehrheit knapp verfehlt. Die haushohe Favoritin und Tochter von Ex-Premier Konstantin Mitsotakis muss nun in einer zweiten Runde am kommenden Sonntag gegen den sozialistischen Ex-Handelsminister und früheren EU-Kommissär Christos Papoutsis antreten. Die Rechte verlor überdies die bevölkerungsreichste Präfektur Athen-Piräus an die Linke. In anderen Regionen des Landes konnte die ND Gewinne erzielen.

6,5 Millionen Griechen (richtig) waren am Sonntag aufgerufen, 57 Präfekten der Verwaltungsbezirke und rund 900 Bürgermeister zu wählen. Der Urnengang galt als Gradmesser für die nächsten Parlamentswahlen, die spätestens im Frühjahr 2004 fällig sind. Ministerpräsident Costas Simitis hat den Erfolg seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) in der bevölkerungsreichsten Präfektur, die den Großraum Athen umfasst, begrüßt. Dort ist es der 38-jährigen Parlamentsabgeordneten Fofi Gennimatas, Tochter des verstorbenen PASOK-Ministers Georgios Gennimatas, gelungen, ihren konservativen Konkurrenten, einen prominenten Journalisten, mit einem Vorsprung von über zehn Prozent der Stimmen zu schlagen.

Linke Parteien schneiden gut ab

"Die Ergebnisse der Präfektur Athen-Piräus sind von entscheidender Bedeutung für alle fortschrittlichen Kräfte", betonte Simitis am Montag in Athen. Auch die Kommunistische Partei (KKE) und die Linksallianz (Linkssozialisten und Ex-Eurokommunisten) schnitten mit sechs bzw. elf Prozent der Stimmen in der bisher von der Rechten gehaltenen Präfektur besser als bei den Wahlen vor vier Jahren ab. Gleichzeitig konnte eine neue rechtsextreme LAOS-Partei, die von dem ND-Dissidenten Georgios Karatzaferis gegründet wurde, in der Präfektur Athen-Piräus 13 Prozent der Stimmen erringen.

Auf Dora Bakoyannis entfielen in Athen 47,4 Prozent der Stimmen. Ihr Ehemann Pavlos Bakoyannis war 1989 als ND-Parteisprecher einem Terroranschlag der linksextremistischen Untergrundgruppe "17. November" zum Opfer gefallen. Auch der ND-Bürgermeister von Piräus, Christos Agrapidis, muss in die Stichwahl. In Saloniki erklärte sich der amtierende ND-Bürgermeister Vassilis Papageorgopoulos zum Sieger; auch die Präfektur Saloniki dürfte unter konservativer Führung bleiben.(APA/dpa)

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