Gnadenfrist für deutsche MobilCom

15. Oktober 2002, 11:48
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Weitere Stundung für Kredite bis Ende Oktober - France Telecom vor Rückzug

Frankfurt - Die angeschlagene Telefonfirma MobilCom hat eine weitere Schonfrist bekommen. Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, wurde die Frist für die Rückzahlung eines UMTS-Kredites über 4,7 Mrd. Euro von den Gläubigerbanken nochmals bis zum 31. Oktober verlängert. Bis zu diesem Zeitpunkt ist MobilCom auch weiter von der Zahlung von Zinsen befreit. Die bisherige Vereinbarung des von der Insolvenz bedrohten Unternehmens mit den MobilCom-Geldgebern war am Montag abgelaufen. Die MobilCom-Aktie gewann durch die erwartete Verlängerung kräftig an Wert.

Hilfspaket

MobilCom war Anfang September nur durch ein Hilfspaket der Bundesregierung knapp der Pleite entkommen, nachdem Großaktionär France Telecom jede weitere Unterstützung aufgekündigt hatte. Seitdem versucht das Unternehmen mit seinen Gläubigerbanken eine Lösung für den bisher von France Telecom abgesicherten UMTS-Kredit zu finden. Die fällige Rückzahlung des Kredites wurde dazu nun zum dritten Mal von den Banken gestundet.

Die Stundung sei mit dem Konsortium der Gläubigerbanken unter Führung der ABN Amro Bank, der Deutschen Bank, der Societe Generale und der US-Bank Merrill Lynch vereinbart worden, teilte MobilCom mit. Voraussetzung sei weiter, dass die Grundsatzvereinbarung über eine langfristige Lösung der Finanzierung zwischen der France Telecom und dem Bankenkonsortium Bestand habe.

Rückzug

Das "Handelsblatt" (Montagausgabe) berichtete unter Berufung auf MobilCom-Kreise, France Telecom habe nun entschieden, sich definitiv aus dem deutschen Unternehmen zurückzuziehen. Der Pariser Konzern wolle seinen 28,5-prozentigen Anteil an MobilCom den Gläubigerbanken verkaufen und damit einen Teilerlass der UMTS-Kreditschulden erreichen. Falls die Gläubigerbanken die MobilCom-Aktien übernähmen, würden die Anteile zu einem späteren Zeitpunkt an die Börse gebracht.

Die MobilCom-Aktie legte bis gegen 19.00 Uhr auf 2,89 Euro zu. Dies war ein Plus von rund 38 Prozent gegenüber dem Freitag, als der Anteilsschein des von der Insolvenz bedrohten Unternehmens nach ersten Berichten über eine erneute Stundung bereits einen Sprung um rund 50 Prozent vollzogen hatte. (APA)

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