Australischer Premier für "mächtige Reaktion"

14. Oktober 2002, 14:49
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Howard: Indonesische Regierung soll zu Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror gedrängt werden - Jemaah Islamiyah soll auf schwarze UNO-Liste

Canberra - Nach den Bombenattentaten auf der indonesischen Ferieninsel Bali hat der australische Premierminister John Howard den kommenden Sonntag als nationalen Trauertag für die Opfer vorgeschlagen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dann ein nationaler Gedenkgottesdienst abgehalten werden, sagte Howard am Montag im Parlament von Canberra. Er habe zudem Außenminister Alexander Downer, Justizminister Chris Ellison und ranghohe Sicherheitsbeamte nach Indonesien entsandt.

"Ihre Mission wird es sein die Zusammenarbeit zwischen Australien und Indonesien bei der Suche nach den Mördern zu maximieren", sagte Howard. Die Delegation sollte nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Hill am späten Montagabend oder frühen Dienstag Früh aufbrechen.

Howard traf noch am Sonntagabend mit seinen Sicherheitsberatern zusammen. Für den Montagmorgen berief er eine Sondersitzung des Sicherheitsausschusses ein. Er sprach von einer riesigen nationalen Tragödie. Im Fernsehen erklärte Howard, er sei für eine "maßvolle, vernünftige, aber mächtige Reaktion" auf den Anschlag. Beamte der australischen Bundespolizei und des Geheimdienstes trafen in der Nacht in Bali ein, um die indonesischen Behörden bei den Ermittlungen zu unterstützen.

"Kampf gegen den Terror"

Howard hat zudem zu verstärktem Kampf gegen Terroristen aufgefordert. "Wir haben das Recht und ich habe die Pflicht, die indonesische Regierung zu einer Zusammenarbeit in der Region zu drängen", sagte Howard am Montag. Die USA und Großbritannien hätten bereits Unterstützung zugesagt. Das Washingtoner Außenministerium forderte alle US-Bürger zum Verlassen des Landes auf. Die Zahl der Toten nach dem Anschlag am Samstag stieg unterdessen auf mindestens 190. Dem Außenministerium in Wien lagen auch bis Montag früh keine Informationen vor, dass sich Österreicher unter den Opfern befinden. Die Börsenkurse in Jakarta fielen zur Eröffnung im Frühhandel um 6,6 Prozent.

Australien will Jemaah Islamiyah auf Schwarzer Liste der UNO sehen

Die australische Regierung die Vereinten Nationen aufgerufen, die radikalislamische indonesische Gruppe Jemaah Islamiyah in ihre Liste der terroristischen Organisationen aufzunehmen. Es werde bald Beweise geben, wer hinter dem Anschlag stecke, die Jemaah Islamiyah sei aber der "Hauptverdächtige", sagte Außenminister Alexander Downer am Montag in Sydney.

Nach langen Diskussionen bleibe die australische Regierung der Meinung, dass die Organisation, die "direkte Verbindungen" zum Extremistennetzwerk El Kaida habe, möglicherweise für den Anschlag verantwortlich sei. Jemaah Islamiyah sei "die gefährlichste terroristische Organisation in Südostasien", fügte Downer hinzu. Trotzdem stehe sie nicht auf der Schwarzen Liste der Vereinten Nationen, beklagte er.

Nach Meinung von Indonesiens Verteidigungsminister Matori Abdul Djalil zeigte der Anschlag in Bali, dass die Extremistenorganisation El Kaida in dem Land Fuß gefasst hat. "Ich sehe, das Attentat wurde von Profis ausgeführt", sagte Matori am Montag in Jakarta. Er habe im Gegensatz zu anderen keine Bedenken auszusprechen, dass in Indonesien ein Netz der El Kaida existiere. (APA/Reuters)

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    Australiens Premier während einer Fernsehansprache.

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