Chile: Luftwaffenchef musste zurücktreten

13. Oktober 2002, 21:40
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General Patricio Rios soll Verbrechen der Pinochet-Ära gedeckt haben

Santiago de Chile - Chiles Präsident Ricardo Lagos hat einen wochenlangen Machtkampf mit dem Chef der Luftwaffe, General Patricio Rios, gewonnen. Der General habe freiwillig seinen Rücktritt eingereicht, der umgehend angenommen worden sei, sagte Lagos am Sonntag vor Journalisten. Gegen Rios ermittelte die Justiz wegen des Vorwurfs der Behinderung der Justiz bei der Aufklärung von Menschenrechtsverbrechen unter der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990).

Der sozialistische Staatschef hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er den ranghohen Militär am liebsten absetzen wollte. Die noch unter Pinochet erlassene Verfassung von 1980 hält dem gewählten Staatsoberhaupt das Recht vor, die Spitzen der Teilstreitkräfte zu entlassen oder zu ernennen. Entscheidend geschwächt wurde die Stellung von Ríos, weil rangniedere Generäle nicht mehr zu ihm hielten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Ende September erschienener Zeitungsartikel, in dem Rios von einem früheren Geheimdienstmitarbeiter bezichtigt wurde, eine Terroreinheit aus den ersten Jahren der Diktatur wieder zu aktiveren. Diese Gruppe "Comando Conjunto" habe die Aufklärung von Morden und Folter durch die Militärs und Strafverfahren gegen sie verhindern sollen. Rios soll auch schon im Jahr 2000 am Runden Tisch zur Aufklärung des Schicksals Verschwundener die Arbeit der von zahlreichen gesellschaftlichen Gruppen und dem Militär getragenen Einrichtung behindert haben. (APA/dpa)

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    General Patricio Rios wollte angeblich die Terroreinheit "Comando Conjunto" wieder aktivieren

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