US-Furcht vor neuen Attacken

13. Oktober 2002, 20:33
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Die Behörden fürchten, dass als als Antwort auf die Irak-Politik von Präsident Bush auch bald wieder die USA Ziel einer neuen Attacke sein könnten

Hochrangige Beamte der Bush-Regierung hegen die Vermutung, dass sich das Terroristennetzwerk Al-Qa'ida des saudi-arabischen Millionärs Osama Bin Laden neu konstituiert hat und auch für die Terroranschläge auf den französischen Öltanker "Limburg" vor Jemen und auf US-Soldaten in Kuwait verantwortlich ist. Tatächlich hat die jemenitische Regierung erstmals eingeräumt, dass die Explosion auf dem französischen Öltanker vor einer Woche ein Terroranschlag war. "Wir sind nun überzeugt, dass es eine geplante Operation war, aber die Frage, wer dahinter steckt und wer sie ausgeführt hat, ist immer noch nicht beantwortet", sagte ein Regierungssprecher in der Hauptstadt Sanaa.

Zwei Aufnahmen

Eine neue Terrorwelle könnte als Antwort auf die Irak-Politik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush gewertet werden. Dies geht aus Informationen hervor, die die New York Times am Sonntag publizierte.

Der Verdacht gegen Al-Qa'ida basiert in erster Linie auf zwei Tonbandaufnahmen, auf der einen davon soll angeblich die Stimme von Osama Bin Laden zu hören sein. Da das Band, in dem Bin Laden wieder Drohungen gegen die Vereinigten Staaten ausstößt, jedoch nur Hinweise auf die bereits stattgefundenen Terrorattacken auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September des vergangenen Jahres und ansonsten keine neuen Informationen enthält, ist fraglich, ob es sich dabei wirklich um eine neue Aufnahme handelt.

Jüngeren Ursprungs

Das zweite Band mit der Stimme des engsten Vertrauten und designierten Nachfolgers von Osama Bin Laden, Ayman al-Zawahiri, scheint den Ermittlern jüngeren Ursprungs zu sein. Darin droht al-Zawahiri mit neuen Anschlägen auf "Amerika und seine Verbündeten" und erklärt: "Die Kampagne gegen den Irak hat ein Ziel, das weit über den Irak hinausgeht", es sei nämlich gegen die gesamte arabische und islamische Welt gerichtet.

Es sei das Ziel der Vereinigten Staaten, Israel zur dominanten Kraft in der Region zu machen und außerdem Saudi-Arabien in vier Teile zu spalten, wobei die Ölfelder unter direkter Kontrolle der USA stehen würden. Beide Bänder wurden in der vergangenen Woche vom katarischen TV-Sender Al-Jazeera ausgestrahlt. In amerikanischen Regierungskreisen befürchtet man nun einen weiteren großen Terroranschlag, möglicherweise wieder in den Vereinigten Staaten selbst. Aber selbst wenn keine große gemeinsame Aktion der Terroristen geplant sei, hält man eine Reihe kleinerer Anschläge jederzeit für möglich.

Nach Angaben der Regierungsbeamten sollen verschiedene Geheimdienste in der vergangenen Woche Berichte über eine deutliche Zunahme von Drohungen gegen die USA und US-Einrichtungen im Ausland bekommen haben. "Ich fürchte, wir werden noch mehr davon sehen", zitierte die New York Times Richard Shelby, einen Senator aus Alabama. "Wir haben immer davor gewarnt, dass es weitere Attacken geben würde, weil wir mit Al-Qa'ida noch nicht fertig sind. Wir haben zwar einige von ihnen in die Flucht gejagt, aber es gibt sie immer noch."

Angesichts der neuen Bedrohungslage soll die US-Regierung bereits am vergangenen Mittwoch überlegt haben, die Farbskala der Terrorismus-Alarmstufe von "gelb" (erhöhte Gefahr) auf "orange" (hoch) zu setzen. Sie entschloss sich dann aber schließlich, dies zu unterlassen, da die Drohungen zu wenig spezifisch seien.

Stattdessen gaben das FBI und das Büro für die nationale Sicherheit eine gemeinsame Sicherheitswarnung an die insgesamt 14.000 Polizeibüros im ganzen Land heraus, in der darauf hingewiesen wird, "Al-Qa'ida plane weiterhin größere Attacken auf die Vereinigten Staaten." (DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2002)

Susi Schneider aus New York
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