Privatinvestor Rudolf Fries: "Bank Austria hätte besser die HVB gekauft"

13. Oktober 2002, 23:03
3 Postings

STANDARD-Interview über Anlagestrategien und die Ausichten des Wiener Börsenplatzes

STANDARD: Auch Ihre Investments verzeichnen einen dramatischen Kursverfall - beunruhigt Sie das? Fries: Nein, denn ich kaufe keine Aktien, um damit Roulette zu spielen. Ich kaufe Anteile an einem Unternehmen, das ich sehr gut analysiert habe. Damit besitze ich einen Anteilswert am Schicksal der Firma. Der Aktienkurs ist dann für mich relativ irrelevant.

STANDARD: Kaufen Sie heimische Unternehmensanteile aus Patriotismus? Fries: Ich sehe Perlen an der Wiener Börse, Unternehmen mit hoher Ertragskraft und solider Dividendenpolitik. Umwegrentabilität und Standorterhaltung sind patriotische Effekte.

STANDARD: Was interessiert Sie noch aus dem Portefeuille der ÖIAG? Fries: Vorwiegend Böhler. Ich glaube, dass die ÖIAG ihre Beteiligungen (OMV, AUA, Böhler, Telekom, Anm.) in nächster Zeit nicht über die Börse verkaufen kann, dazu sind die Kurse zu niedrig. Was ein Verkauf an Ausländer bringt, zeigt sich an der HypoVereinsbank - da wäre es vielleicht besser gewesen, wenn die Bank Austria die HVB gekauft hätte, nicht umgekehrt - oder der Austria Tabak an Gallagher - die von der Börse genommen wurde - oder bei Semperit Reifen an die deutsche Conti.

STANDARD: Private Finanzkonsortien als Alternative? Fries: In den heimischen Stiftungen liegen Milliarden an Cash, auch in den Pensionskassen liegen gigantische Gelder. So kann man staatliche Industriebeteiligungen dem Markt öffnen.

STANDARD: Was sagen Sie zur neuen Zukunftsvorsorge, die verpflichtend für eine staatliche Prämie ein namhaftes Investment in heimische Aktien verlangt? Fries: Das halte ich für absolut vernünftig.

STANDARD: Die Nasdaq Europe, an der Eybl notiert, scheint sich bald aufzulösen. Was wird mit dem Autozulieferer passieren? Fries: Mit Eybl kann man an der Wiener Börse rechnen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 14.10.2002)

Mit Rudolf Fries, dem Anwalt und Privatinvestor, der 25 Prozent am Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm und 30 Prozent am heimischen Autozulieferer Eybl hält, sprach Karin Bauer über Anlagestrategien und die Aussichten des Wiener Börsenplatzes.
Share if you care.