USA verlegen Stabsstellen nach Kuwait

14. Oktober 2002, 10:48
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Rumsfeld gibt effizientere Kriegspläne in Auftrag - US-Militärs kritisieren "risikofreudigen" Verteidigungsminister

Washington/Bagdad - Nach dem Votum des US-Kongresses für einen möglichen Irak-Krieg haben die USA ihre Vorbereitungen für einen Militäreinsatz ausgeweitet. Wie am Wochenende bekannt wurde, werden die Stabsstellen wichtiger Kampftruppen nach Kuwait verlegt. Hinter den jüngsten Zusicherungen des Irak in der Frage der UNO-Inspektionen sehen die USA lediglich ein taktisches Manöver. Das irakische Parlament kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, nahm zum Kongressvotum jedoch zunächst nicht Stellung.

Ein Berater Saddams hatte der UNO in einem Schreiben an den Chef der Waffenkontrollore, Hans Blix, zugesichert, alle Hindernisse für eine Rückkehr der Inspektoren aus dem Weg räumen zu wollen. Iraks Vizepräsident Taha Yassin Ramadan sagte in einem Interview mit dem Spiegel: "Von uns aus mögen die Inspektoren suchen und inspizieren, wie und wo immer sie möchten." UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte indes, die neue UNO-Resolution zum Irak werde aus seiner Sicht vorerst keine Ermächtigung zu einem Militärschlag enthalten. Die Mitglieder des Weltsicherheitsrats wollten mehrheitlich eine zweistufige Entschließung.

Rumsfeld: Alle Kriegspläne sollen neu gestaltet werden

Rumsfeld hat die regionalen Militärkommandanten in den USA angewiesen, alle bisher existierenden Kriegspläne gegen den Irak im Hinblick auf schnellere Aktionen neu zu gestalten. Besonders solle man sich auf die Verwendung von Präzisionswaffen, verbesserte Geheimdienstberichte und raschere Einsatzmöglichkeiten konzentrieren. Dies berichtet die New York Times in ihrer Sonntagsausgabe.

Rumsfeld und Vizegeneralstabschef Peter Pace weigerten sich Samstag in einem Interview allerdings, detaillierte Kriegspläne gegen den Irak bekannt zu geben und erklärten, Präsident George W. Bush habe bisher noch keine Entscheidung für eine Attacke getroffen. Raschere Mobilisierung und Einsatzmöglichkeiten würden Bush zusätzlichen Zeitraum geben, weitere diplomatische Wege zu erforschen oder den Ausgang von Waffeninspektionen im Irak abzuwarten.

Veränderte Doktrin

Rumsfeld erklärte, dass viele der bisherigen Militärstrategien von veralteten Voraussetzungen ausgingen, die sich mit der Entwicklung neuer Waffen und neuer politischer Doktrinen verändert hätten: Was vor einem oder zwei Jahrzehnten nur durch eine überwältigende Streitkraft zu leisten gewesen sei, könnte heute eine viel kleinere Streitkraft mit gleichen oder größeren tödlichen Auswirkungen zustande bringen. Rumsfelds Pläne hätten auch entscheidende Auswirkung auf jene Waffen, die vom Pentagon erstanden werden.

Rumsfelds Äußerungen stießen auf Widerstand einiger hochrangiger US-Militärs: Es wird argumentiert, dass ein Sieg nur mit überwältigender zahlenmäßiger Truppenüberlegenheit errungen werden kann. Rumsfeld, so seine Kritiker, sei allzu risikofreudig - eine Taktik, die zusätzliche amerikanische Opfer fordern könnte. Die sei nur durch größere Truppeneinsätze zu verhindern.

In den USA wird seit längerem spekuliert, dass ein Krieg im Irak während des Winters unter besseren Voraussetzungen geführt werden könnte als in der Hitze des Sommers, zumal amerikanische Soldaten mit schweren Schutzuniformen gegen biologische oder chemische Waffen ausgestattet werden müssten. Dazu kommt, dass bei einem kalten Erdboden verschiedene wärmesuchende Geschoße und Bomben treffsicherer eingesetzt werden könnten.

Amir el Saadi, ein Berater von Saddam Hussein, hat mittlerweile in einem Brief an die UNO zugesichert, der Irak sei bereit, alle Hindernisse für eine Rückkehr der Waffeninspektoren aus dem Weg zu räumen. US-Medien berichteten allerdings am Samstag, man könne dem Schreiben entnehmen, dass Inspektionen der Paläste Saddam Husseins noch immer ausgeschlossen seien. Iraks Vizepräsident Taha Yassin Ramadan versicherte indessen, auch die Paläste dürften durchsucht werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2002)

Susi Schneider aus New York
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