"Das ist noch nicht ausdiskutiert"

13. Oktober 2002, 21:57
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Wiens Kulturstadtrat ist skeptisch gegenüber der Bespielung der Klagenfurter Seebühne durch die Vereinigten Bühnen

Klagenfurt - Der Theaterausschuss will am Montag über die künftige Bespielung der Klagenfurter Seebühne entscheiden. Land Kärnten und Stadt Klagenfurt haben bereits signalisiert, dass sie den Vereinigten Bühnen Wien vor einer Kärntner Lösung mit dem Stadttheater Klagenfurt den Vorzug geben wollen.

Die Verantwortlichen könnten dabei aber die Rechnung ohne den Wirt machen. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny zeigt sich im Gespräch mit dem STANDARD nicht gerade euphorisch über ein mögliches Engagement der von der Stadt Wien hoch subventionierten Vereinigten Bühnen auf Jörg Haiders kulturpolitischem Flaggschiff: "Das ist noch nicht ausdiskutiert. Erst müssen wir wissen, was da überhaupt geplant ist." Der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen, Franz Häußler, hatte in Klagenfurt Interesse an der Bespielung der Seebühne bekundet.

Die Vereinigten Bühnen seien ein unabhängiges Unternehmen und daher sei es "grundsätzlich ihre Sache, mit wem sie eine Kooperation suchen", so Mailath-Pokorny. Derzeit würde lediglich geprüft, ob ein die Seebühne überhaupt eine Option wäre.

Er habe jedenfalls den Aufsichtsrat der Vereinigten Bühnen beauftragt ihm konkrete Vorstellungen vorzulegen. Ein Beschluss des Klagenfurter Theaterausschusses tangiert den Wiener Kulturstadtrat wenig: "Das wird nicht in Klagenfurt, sondern im Aufsichtsrat der Vereinigten Bühnen entschieden."

Stadttheater-Intendant Dietmar Pflegerl möchte die Seebühne mit Eigenproduktionen als unverwechselbaren Musical-Festspielort positionieren. Kulturreferent Haider und Bürgermeister Scheucher sind aber nicht bereit, eine Ausfallshaftung wegen Schlechtwetters und anderen Risikofaktoren für die 2003 geplante Stadttheater-Produktion "Les Misérables" zu übernehmen. Das aber ist für Pflegerl unannehmbar. Hier sei eindeutig, wie etwa in Mörbisch oder Bregenz, die Politik gefordert. Auch eine Zusammenarbeit, bei der das Stadttheater lediglich Infrastruktur und Personal zur Verfügung stellt, lehnt Pflegerl ab.

Im Sommer war die Wörtherseebühnen GmbH um Siegmund Kahlbacher wegen ihres undurchsichtigen Finnanzierungsdschungels ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. (stein / DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2002)

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    Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny

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