"Österreich braucht starke Politik für Frauen"

13. Oktober 2002, 12:57
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Glawischnig: Frau sein per se darf kein Armutsrisiko sein - Sieben Spitzenkandidatinnen auf neun Landeslisten

Wien - "Österreich braucht starke Politik für Frauen", erklärte die stellvertretende Grüne Bundessprecherin und Wiener Spitzenkandidatin Eva Glawischnig am Sonntag beim Bundeskongress der Umweltpartei. Die Grünen seien der Garant dafür, dass der "blau-schwarze back-flash in der Frauenpolitik" mit zahlreichen Verschlechterungen rückgängig gemacht werde. Als Forderung der Grünen nannte Glawischnig "mehr gute Jobs für Frauen", "Halbe/Halbe in Führungsposition" oder "Eigenständige Pension für alle Frauen". Zuvor hatte Bundesgeschäftsführer Franz Floss neuerlich als Wahlziel 15 Prozent für die Grünen genannt.

Glawischnig sagte, "Frau sein per se darf einfach kein Armutsrisiko sein". Die Grünen seien die einzige Partei, die dezidiert für Frauen eintrete und dies auch bei der Listenerstellung zeige. "Da unterscheiden wir uns massiv von den anderen". So gebe es auf den neun Landeslisten sieben Spitzenkandidatinnen, aber nur zwei Männer an vorderster Stelle.

Kritik

Die stellvertretende Grüne Klubobfrau kritisierte gleichzeitig Aussagen der anderen Parteien zum Thema Frauen. So habe die neue FPÖ-Vizechefin Magda Bleckmann die Vorteile eines Frauenministers Herbert Haupt (F) gewürdigt, weil "dieser viel ungezwungener Anliegen der Frauen umsetzen" könne. Und da habe es nicht einmal einen Aufschrei dagegen gegeben. ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat schließlich habe zuletzt "ernsthaft erklärt, die Volkspartei will bis 2010 eine Frauenquote von 40 Prozent", meinte Glawischnig unter dem Gelächter der 200 Delegierten. Aber auch die SPÖ wurde von der Umweltsprecherin aufs Korn genommen. "Viktor Klima hat 1997 versprochen, die Anliegen des Frauenvolksbegehrens Punk für Punkt umzusetzen. In einer Sondersitzung später hat er dann gemeint, es wurde noch nicht alles getan, aber auch kein Schritt in die falsche Richtung gesetzt".

Vor 83 Jahren habe es die ersten Frauen im Parlament gegeben. Die damals wichtigsten Forderungen seien gewesen "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", Kinderbetreuungsplätze sowie "technische Hilfen im Haushalt". Nur letzteres sei umgesetzt worden. Die ersten beiden Anliegen seien heue noch nicht erfüllt. Ganz zu schweigen von dem Anliegen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Dabei kritisierte Glawischnig auch den Verfassungskonvent. "Dort gibt es von 107 Mitgliedern nur 17 Frauen und das ist die Institution, die die europäische Verfassung neu schreiben soll".

Zu Beginn hatte Glawischnig der ÖVP "Wadlbeißerei" und Angst vor den Grünen vorgeworfen. Die von der Volkspartei für die Grünen verwendeten Ausdrücke wie "Brandstifter" oder "grüne linke Chaoten" zeigten aber lediglich, dass "die ÖVP sich vor uns als ernst zu nehmende politische Alternative fürchtet. Und sie fürchtet sich zu Recht, wir sind nämlich die ernst zu nehmende Alternative". (APA)

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