USA glauben an regionales Terrornetzwerk

13. Oktober 2002, 20:29
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Ein Verhör hat die Verbindungen von Indonesiens radikalen Muslimen zu Al-Qa'ida offen gelegt

Jakarta/Manila - Indonesien und seine Regierung unter der zögerlichen Präsidentin Megawati Sukarnoputri haben die US-Regierung lange frustriert: Keine Verhaftungen von Islamisten ohne klare Belege, lautete die Verteidigungslinie der Regierung in Jakarta, die sowohl die Empfindlichkeiten der ganz mehrheitlich moderaten muslimischen Gemeinschaft im Land als auch die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 im Auge hat. Dass man die Terroristen nicht sehen könne, bedeute noch nicht, dass es sie nicht gebe, meinte Ende September noch entnervt Ralph Boyce, der US-Botschafter in Jakarta.

Doch das Blatt wendete sich, als der indonesische Geheimdienst BIN im Juni dieses Jahres in einer Moschee in Bogor auf der Hauptinsel Java einen Mann aus Kuwait aufgriff und dem US-Militär übergab. Seit Omar al-Faruq auspackte, glauben die US-Geheimdienste, die Verbindung zwischen Indonesiens radikalen Islamisten zur Terrororganisation Al-Qa'ida gefunden zu haben. Die Informationen, die Omar al-Faruq gegeben haben soll, führten zunächst zur Schließung der US-Botschaften in Indonesien und Malaysia in den Tagen um den 11. September: Der 31-Jährige, dessen richtiger Name Mahmud Bin Ahmad Assegaf sein soll, hatte sich als Kopf der Terrororganisation Al-Qa'ida in Südostasien bezeichnet und eine Serie von Anschlägen gegen US-Einrichtungen vorbereitet.

Muslimführer belastet

Laut Zusammenfassung der Verhöre, die an US-Medien weitergegeben wurden, hätte Al-Faruq erklärt, er sei an den Planungen für einen Mordanschlag gegen Indonesiens Präsidentin Megawati 1999 und 2001 beteiligt gewesen, habe die Serie von Bombenanschlägen gegen christliche Kirchen in Indonesien zu Weihnachten 2000 organisiert und einen Terroranschlag auf ein US-Kriegsschiff in der indonesischen Hafenstadt Surabaya im vergangenen Mai vorbereitet, den er letztlich nicht ausführte. Vor allem aber belastete Omar Al-Faruq einen Mann, den die US-Regierung, aber auch Indonesiens Nachbarstaaten Singapur, Malaysia und die Philippinen schon länger im Visier haben: Abu Bakar Ba'asyir, einen radikalen Muslimführer, der eine Koranschule in Solo in Zentraljava leitet.

Al-Qa'ida habe finanziell und logistisch die Versuche des 65-jährigen Ba'asyir unterstützt, in Indonesien einen "religiösen Bürgerkrieg zu entzünden", soll Faruq gesagt haben. Ba'asyir führe auch - wie die USA mutmaßten - die geheime Organisation Jemaah Islamiah (JI) an, die einen islamischen Staat in Südostasien anstrebt.

Bin-Laden-Anhänger

Der Muslimführer, der bis vor einem Jahr in Indonesien kaum bekannt war und erklärtermaßen mit Osama Bin Laden sympathisiert, habe JI-Mitglieder nach Malaysia und Singapur geschickt, um Anschläge auf US-Botschaften zu verüben. Dreimal hatte die indonesische Polizei Ba'asyir im vergangenen Frühjahr verhört und gleich wieder freigelassen - mangels Beweisen. Ba'asyir bezeichnete die Vorwürfe regelmäßig als Lügen der USA. Er kenne Al-Faruq nicht, sagte er dem indonesischen Magazin Tempo. Vielleicht wird sein nächstes Verhör nun ergiebiger. (mab)

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