Millionendiebe nach zwölf Jahren verhaftet

13. Oktober 2002, 21:07
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Telefonanruf verriet Versteck in Florida

Wien/Tallahassee - "Angeblich betreiben sie ein Fischrestaurant in Paraguay" - so endete bis vor kurzem der offizielle Polizeiakt über zwei Bankkassiere aus Lieboch in der Steiermark, die sich vor zwölf Jahren mit 15 Millionen Schilling (1,09 Millionen Euro) aus dem Banktresor "selbstständig" gemacht hatten. Doch wie sich nun herausstellte, machten es sich die beiden Männer im US-Bundesstaat Florida gemütlich. Vergangenen Samstag endete das Versteckspiel, das Duo wurde in Siesta Keys bei Sarasota an der Westküste Floridas festgenommen.

Die beiden befreundeten Männer, Hauptkassier Gerhard B. (42) und Kassier Anton G. (39), standen auf der Liste der meistgesuchten Verdächtigen Österreichs. Sie sollen Anfang August 1990 an einem Wochenende den Tresor der Raika Lieboch leer geräumt haben. Jedenfalls waren sie seither verschwunden. Gefunden wurde damals lediglich ein Auto, mit dem die beiden zum Flughafen Graz-Thalerhof gefahren waren.

Dem Duo gelang es tatsächlich jahrelang, alle Spuren zu verwischen. Bis sich vergangenen April die neu gegründete Gruppe Zielfahndung im Bundeskriminalamt den kniffligen Fall vornahm. "Wir erstellten eine Fallanalyse und überprüften erneut die Bezugspersonen", berichtet ein Beamter. Im Klartext: Die Telefone von engen Verwandten und guten Freuden von früher wurden überwacht. Bingo! Tatsächlich gelang es, über telefonische Rückerfassung einen Anruf nach Florida zurückzuverfolgen.

Vor drei Wochen wurde dann das US Marshall Service eingeschaltet, das vor Ort die Ermittlungen aufnahm und schließlich zuschlug - keine Minute zu früh, denn B. und G. wurden aus einem Auto heraus verhaftet, in dem sich ihre gepackten Koffer befanden. Offenbar waren sie gewarnt worden. Von wem, war vorerst nicht bekannt.

Haus am Strand

Wie sich herausstellte, hatten sich die Gesuchten unter falschem Namen und mit gefälschten Papieren im US-Sonnenstaat Florida niedergelassen. Sie kauften gemeinsam ein Haus am Strand, B. lebte mit einer Amerikanerin zusammen, mit der er auch ein gemeinsames Kind hat.

Die vorläufige Festnahme wurde wegen illegaler Einwanderung vorgenommen, das Auslieferungsverfahren dürfte noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Dann werden sich die beiden Weststeirer höchstwahrscheinlich wegen schweren Betrugs vor dem Grazer Straflandesgericht verantworten müssen. Von der Beute sei, wie einer der Verhafteten den österreichischen Behörden bereits telefonisch mitteilte, leider nichts mehr übrig. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 14.10.2002)

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