Israelische Panzer in Rafah eingerückt

13. Oktober 2002, 15:21
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Mehrere Tote - Armee zerstört ohne Vorwarnung Häuser

Gaza - Bei einer israelischen Militäraktion in Rafah im südlichen Gazastreifen ist am frühen Sonntagmorgen ein Palästinenser erschossen worden. Ein Konvoi mit etwa zwölf israelischen Panzern und Bulldozern sei in die Stadt eingedrungen, teilten Vertreter der palästinensischen Rettungs- und Sicherheitskräfte mit.

Der 26-Jährige sei von Kugeln getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Den Angaben zufolge besetzten die israelischen Truppen zwei Häuser in der Stadt an der Grenze zwischen Israel und Ägypten. Eine israelische Armeesprecherin konnte zunächst keine näheren Angaben zu dem Vorfall machen.

Häuser zerstört

Die israelische Armee hat im südlichen Gazastreifen offenbar zwei Häuser zerstört, ohne die schlafenden Bewohner zuvor zu warnen. Dabei sei ein vierjähriges palästinensisches Kind durch eine umstürzende Mauer getötet worden, sagten palästinensische Krankenhausvertreter am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. 25 weitere Menschen wurden verletzt, der Großvater des Buben schwebte in Lebensgefahr. Die Armee habe die beiden benachbarten Häuser in Rafah mit vier Bulldozern niedergerissen.

Keine Vorwarnung

Die Armee habe die Häuser niedergerissen, ohne die schlafenden Anrainer zuvor zu warnen. Die Detonation sei so heftig gewesen, dass auch das angrenzende Haus zerstört worden sei, berichteten Augenzeugen. Die israelischen Soldaten waren in der Früh mit 25 Panzern und Bulldozern in Rafah einmarschiert. Zwei bewaffnete Palästinenser starben weiters beim Versuch in die israelische Siedlung Kerem Shalom südlich der Grenze zum Gazastreifen einzudringen. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden zwei israelische Soldaten beim Schusswechsel verletzt.

Ein Armeesprecher bestätigte lediglich, das Militär habe "in einer kontrollierten Explosion" ein Tunnelsystem und zwei damit verbundene Häuser zerstört. Durch das System im Grenzgebiet zu Ägypten seien Waffen geschmuggelt worden. Bei dem Einmarsch der Armee wurde ein Palästinenser bei Schusswechseln getötet, fünf weitere verletzt. Der Armeesprecher sagte, die Soldaten seien mit Granaten angegriffen worden und hätten einen Palästinenser verwundet.

Rafah gilt als Hochburg militanter Palästinenser, die in dem seit zwei Jahren dauernden Aufstand gegen die israelische Besatzung kämpfen. Die israelische Armee ist wiederholt in die Stadt im südlichen Gaza-Streifen eingerückt. Seit Beginn des Aufstands der Palästinenser im September 2000 sind mindestens 1610 Palästinenser und 604 Israelis getötet worden.

Palästinenser in Tulkarem getötet

Bei Zusammenstößen zwischen bewaffneten Palästinensern und israelischen Soldaten ist in der Nacht zum Sonntag in Tulkarem im Westjordanland ein 18 Jahre alter Palästinenser erschossen worden. Wie die israelische Tageszeitung "Haaretz" unter Berufung auf Armeekreise berichtete, wurden zwei israelische Soldaten leicht verletzt. Die Soldaten seien in der Stadt beschossen und mit Molotowcocktails beworfen worden. Als sie das Feuer erwiderten, sei der 18-Jährige, der einen Brandsatz auf die Soldaten geworfen habe, tödlich getroffen worden.

Bereits am Samstagvormittag war ein Palästinenser bei einer israelischen Militäroperation im Gazastreifen getötet worden. Palästinensische Sicherheitskreise berichteten, der 21-Jährige sei ums Leben gekommen, als israelische Panzer ein Wohnviertel nahe Chan Junis beschossen. Auch mehrere Gebäude seien beschädigt worden. (APA)

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