"Nestroy"-Theaterpreise vergeben

15. Oktober 2002, 20:30
10 Postings

Auszeichnungen für Ulli Maier und Sven-Eric Bechtolf, "Beste Regie" -Michael Schottenberg, "Nestroy" für Lebenswerk an Peymann und eine hoch politische Laudatio

Bei der diesjährigen "Nestroy"-Gala, die am Samstag im Theater an der Wien statt fand, wurden Preise in elf Kategorien vergeben.

Beste Schauspielerin

Der "Nestroy"-Theaterpreis für die "Beste Schauspielerin" ging an Ulli Maier für ihre Darstellung der Agathe in der Dramatisierung von Musils "Der Mann ohne Eigenschaften". Maier widmete ihren Preis dem kürzlich verstorbenen Ex-Direktor des Volkstheaters Wien, Paul Blaha.

Bester Schauspieler

Den "Nestroy" als "Bester Schauspieler" erhielt wie schon im Vorjahr Sven-Eric Bechtolf, heuer für seinen Friedrich Hofreiter in "Das weite Land". In Andrea Breths Inszenierung von Schnitzlers Tragikomödie "Das weite Land" spielte er bei den diesjährigen Salzburger Festspielen einen ebenso zynischen wie tragischen Friedrich Hofreiter.

Beste Regie

Für die "Beste Regie" wurde Michael Schottenberg für seine Inszenierung von "Der Talisman" (Volkstheater Wien) ausgezeichnet. Er arbeitete an der Burg, am Wiener Schauspielhaus, gründete das "Theater im Kopf" und war auch schon als Film- und Musicalregisseur erfolgreich.

Bester Nachwuchs, Beste Nebenrolle

"Bester Nachwuchs" wurde Johanna Wokalek, sie überzeugte in der Darstellung mehrerer Frauenfiguren in "Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia".

Der Nestroy für die "Beste Nebenrolle" wurde Anna Franziska Srna für die "Marie" in Alexander Kubelkas "Woyzeck"-Inszenierung zugesprochen.

Beste Off-Produktion, Spezialpreis

Den Nestroy für die beste Off-Produktion erhielt die Grazer Gruppe "Theater im Bahnhof" für "LKH - Eine Theaterserie".

Der erstmals vergebene "Spezialpreis" ging an den deutschen Musiker und Komponisten Bert Wrede. Die Auszeichnung erhielt er für seine musikalischen Beiträge bei der Ostermaier-Uraufführung "Letzter Aufruf" auf der Probebühne des Burgtheaters und für jene bei "Edward II.", einer Koproduktion des Thalia Theater Hamburg mit dem Stadttheater Klagenfurt.

Autorenpreis

Den Autorenpreis erhielt der junge deutsche Autor Roland Schimmelpfennig für "Push up 1-3", ein Stück über Machtkämpfe in den Managementetagen, das im vergangenen November an der Berliner Schaubühne seine Uraufführung hatte, und in der Regie von Sabine Mitterecker im März 2002 in einer Koproduktion des Wiener Volkstheaters mit dem Theater.Punkt im U3-Forum gezeigt wurde.

Beste Ausstattung

Martin Zehetgruber schaffte wie zuvor bereits Sven-Eric Bechtolf das Double und erhielt für sein Bühnenbild von "Letzter Aufruf" den Preis für die "Beste Ausstattung".

Beste deutschsprachige Aufführung

Als "Beste deutschsprachige Aufführung" wurde Michael Thalheimers Berliner "Emilia Galotti"-Inszenierung ausgezeichnet. Dieser von der Nestroy-Jury diesmal direkt vergebene "Nestroy" ging heuer erstmals nicht gleichzeitig an den "Regie"-Preisträger.

"Nestroy" fürs Lebenswerk

Der Abschluss bildete zugleich den Höhepunkt des Gala-Abends: Die Laudatio auf Ex-Burgchef Claus Peymann, der wie schon vorher bekannt, den "Nestroy" für sein Lebenswerk überreicht bekam, nutzte Andre Heller, einen als "Märchen" getarnten scharfzüngigen politischen Kommentar abzugeben. Die Hauptrolle in seinem Märchen spielte ein Politiker, der zunächst versprach, als Dritter bei den Wahlen keinesfalls regieren zu wollen, und als er schließlich doch Kanzler wird, "Österreich die größte Beschädigung im internationalen Ansehen in der Zweiten Republik beschert". Als dieser später scheitere, so Heller, preise er sich "gewissermaßen selbst als Rettung" aus dem selbst verschuldeten Schlamassel, um "seinen zynischen Egotripp" fortzusetzen.

... "Lieber Claus Peymann: Welcher Stoff!"

Andre Heller endete mit den Worten: "Lieber Claus Peymann: Welcher Stoff! Sie müssten inszenieren und Franz Morak den Kanzler spielen! Er hatte genügend Zeit, das Original unter der Lupe zu beobachten."

Peymann, von Heller als "klassischer Störenfried und Aufreger" gewürdigt, der Wien die beste Zeit seines Lebens verdanke ("Sie haben hier ihr Sado-Maso-Paradies gefunden!"), dankte für die ihm dargebotenen stehenden Ovationen und betonte, den Preis stellvertretend für die Künstler der Burg und die österreichischen Schriftsteller und deren Zivilcourage entgegenzunehmen. Zum Abschluss brachte er eine unveröffentlichte Erklärung von Thomas Bernhard aus dem Juni 1988 zur Ur-Lesung, in dem jener ankündigte, für den Fall, dass Peymann aus dem Burgtheater hinausgeworfen würde oder selbst resigniere, nicht mehr am Burgtheater gespielt werden zu wollen. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein "Nestroy" für das Lebenswerk: Claus Peymann

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Nestroy"-Preisträgerin in der Kategorie "beste Schauspielerin", Ulli Maier

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Nestroy"-Preisträger in der Kategorie "bester Schauspieler", Sven-Eric Bechtolf, (links im Bild: Laudatorin Angelika Kirchschlager)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Szenenfoto aus der Produktion 'LKH' des Grazer Theaters im Bahnhof

Share if you care.