Mordprozess in Brasilien endete für Vorarlberger mit Freispruch

12. Oktober 2002, 19:35
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Ihnen war vorgeworfen worden, eine Prostituierte aus dem Fenster geworfen zu haben

Bregenz/Recife - Jene beiden Vorarlberger, die wegen Mordverdacht seit mehr als zweieinhalb Jahren in Brasilien festgehalten wurden, sind seit Samstag früh frei. Nach 14-stündiger Verhandlung endete ein Geschworenenprozess in Recife mit Freisprüchen für die beiden Touristen.

Den 52- bzw. 45-jährigen Männern war vorgeworfen worden, im Frühjahr 2000 in Brasilien eine 22-jährige Prostituierte aus einem Hotelfenster geworfen zu haben. Das Gericht erkannte nun, dass es ein Unfall gewesen sei und die beiden Vorarlberger keine Schuld treffe. "Wir sind sehr aufgeregt", lautete eine erste Stellungnahme in Radio Vorarlberg, das einen der beiden Männer telefonisch erreichte, "mit den Nerven sind wir komplett herunter!", es gehe ihnen "nicht so gut".

Zeugin verstrickte sich in Widersprüche

Die beiden Männer waren im März des Vorjahres nach rund einem Jahr in Untersuchungshaft vorläufig freigelassen worden. Sie mussten aber in Brasilien auf ihren Prozess warten und die Pässe waren ihnen abgenommen worden. Nach damaligen Angaben des mittlerweile verstorbenen österreichischen Konsuls Alois Homolka hatte es von Beginn an massive Zweifel an der Täterschaft der Männer gegeben. So hätte sich eine zweite Prostituierte als angebliche Zeugin ständig in Widersprüche verstrickt.

Der Fall und die Vorgeschichte hatten in der Heimat der beiden Männer großes Aufsehen erregt. Die Prostituierten hatten sie bereits bei vorhergehenden Reisen kennen gelernt. Beim Urlaub im Februar 2000 wurden die beiden Hohenemser dann von zwei bewaffneten Männern überfallen und um etwa 4.000 Dollar (4.529 Euro) beraubt. Die Vorarlberger vermuteten, dass die beiden Prostituierten mit dem Überfall zu tun hätten. Als sie die jungen Frauen wieder trafen, nahmen sie sie mit auf ihr Zimmer, um sie zu befragen. Die 22-jährige Vilma Maria da Silva stürzte daraufhin aus dem Fenster des Hotels und starb. Die Vorarlberger bestritten die Tat vehement: Sie behaupten, die Prostituierte sei in Selbstmordabsicht aus dem Fenster gesprungen. (APA)

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