Wi-Fi-Netze im Visier von T-Mobile-USA

13. Oktober 2002, 19:24
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Interesse von Mobilfunkern an drahtlosen Hotspots wächst

Durch das starke Engagement des Mobilfunkers T-Mobile USA, einer Schwestergesellschaft der heimischen T-Mobile und Tochter der Deutschen Telekom, gewinnt die bisher als "Grassroots"-Bewegung stark gewachsene drahtlose Internettechnik Wi-Fi eine neue, kommerzielle Dimension. T-Mobile USA wird in 400 kaffeehausartigen Abteilungen der Buchkette Borders so genannte Hotspots einrichten, in deren Umkreis PC-Benutzer einen drahtlosen Breitbandzugang zum Internet haben.

T-Mobile vs. Boingo Wireless

Zusammen mit 1600 vorhandenen Hotspots - vor allem bei Starbucks, Hotels, Flughäfen - wird T-Mobile so zum weltweit größten Betreiber mobilen Internets über Wi-Fi. Hinter dem größten US-Konkurrenten, Boingo Wireless, steckt der Mobilfunker Sprint PCS.

Auch in .at ist Angebot stark gewachsen

Auch in Österreich sind die Angebote an Wi-Fi-Hotspots im vergangenen Jahr stark gewachsen. Vorreiter ist metronet, ein heimisches Privatunternehmen, das inzwischen über 100 Kaffeehäuser, Hotels und Flughafenbereiche ausgestattet hat. Eines der Hauptprobleme für die weitere starke Verbreitung ist das dahinter stehende wirtschaftliche Modell: Denn wer z. B. die metronet-Hotspots nutzen will, braucht dazu wie bei einem Handy einen Vertrag mit monatlicher Gebühr oder vorausbezahltem Entgelt (Prepaid).

Verträge

Konsumenten, deren Budgets bereits jetzt oft mit Gebühren für Internet, Handys, Festnetz oder Kabel-TV belastet sind, scheuen jedoch vor weiteren Verträgen zurück. Mobilfunkbetreiber verändern diese Gleichung sehr wesentlich, denn damit benötigt man für Wi-Fi keinen neuen Vertrag, sondern weitet "nur" einen vorhandenen Handyvertrag aus, womit die Benutzungsschwelle sinkt.

Noch kein "Run"

Aber ein Run auf Wi-Fi-Netze ist hier noch nicht in Sicht. Die Mobilkom, die eben erst ihr UMTS-Netz in Betrieb nahm, "beobachtet den Markt" und will nur dann einsteigen, "sollten Kunden danach fragen", sagt A1-Sprecherin Ursula Novotny. Der Mobilfunker One hat zwar vor einiger Zeit eine Wireless-LAN-Tochter (eWave) erworben, die Großkunden mit Internet versorgt, aber keine Hotspots betreibt. Wi-Fi sei über das Diskussionsstadium bei One noch nicht hinaus, "weil es wirtschaftlich nicht gut darstellbar ist", sagt One-Sprecher Michael Sprintzl.

Kooperation

Bei der heimischen T-Mobile sieht man hingegen eine mögliche Kooperation mit einem Wi-Fi-Provider als "ideale Kombination", ohne jedoch konkrete Pläne bekannt geben zu wollen. Der Provider wäre für gute Versorgung verantwortlich, T-Mobile hätte dagegen einen österreichweiten und internationalen Kundenzugang, sagt der für neue Geschäftsfelder zuständige Harald Stadlbauer gegenüber dem STANDARD.(Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 12/13. Oktober 2002)

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