Türkei betrachtet Aktivitäten irakischer Kurden mit Argwohn

12. Oktober 2002, 17:25
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Ministerpräsident Ecevit kritisiert Verfassungsentwurf für die Zeit nach Saddam Hussein

Ankara - Die Türkei betrachtet mit wachsendem Argwohn die Vorbereitungen der irakischen Kurden auf die Zeit nach einem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein durch einen eventuellen US-Militärschlag. Ministerpräsident Bülent Ecevit erklärte am Samstag, die Lage gerate außer Kontrolle. Er reagierte damit auf Berichte, wonach rivalisierende kurdische Gruppen über einen Verfassungsentwurf für Irak beraten.

Vertreter der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) und der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) hatten den Entwurf am Dienstag bei einer Sitzung des Parlaments der Kurden in Nordirak erörtert, wie der PUK-Funktionär Bahros Galili am Samstag sagte. Er stellte jedoch in Abrede, dass sie einen eigenen Kurdenstaat gründen wollten. Dies sei lediglich ein Verfassungsentwurf von vielen für die Zeit nach Saddam Hussein, sagte Galili. Der Entwurf solle allen irakischen Oppositionsgruppen zur Diskussion vorgelegt werden.

"Besorgnis erregende Entwicklung"

Ecevit bezeichnete die Vorlage des Verfassungsentwurfs als Besorgnis erregende Entwicklung, die die Türkei nicht hinnehmen könne. Er kündigte Gespräche darüber mit den Vereinigten Staaten an. Die PUK und die KDP beherrschen den an die Türkei angrenzenden Norden Iraks unter dem Schutz der von Amerikanern und Briten durchgesetzten Flugverbotszone über diesem Landesteil Iraks.

Ecevit hatte kürzlich die Besorgnis geäußert, die irakischen Kurden könnten nach einem Sturz der Regierung in Bagdad die ölreiche Provinz Kirkuk besetzen. Türkische Zeitungen spekulierten bereits, die Streitkräfte könnten in so einem Fall eingreifen. Die Provinzen Kirkuk und Mossul waren über Jahrhunderte Teil des Osmanischen Reichs. Einige türkische Nationalisten haben in jüngster Zeit den Vertrag bezweifelt, der die Region nach dem Ersten Weltkrieg Irak und nicht der Türkei zugesprochen hat. (APA)

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