Günter Grass, der Herausgeber

12. Oktober 2002, 16:25
posten

Schriftsteller stellte auf Frankfurter Buchmesse das Buch "In einem reichen Land" vor

Frankfurt/Main - Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat die deutsche Bundesregierung kritisiert, weil sie die soziale Schieflage in Deutschland nicht genügend bekämpfe. Eines der großen Verdienste der rot-grünen Regierung sei es gewesen, erstmals einen Armutsbericht vorgelegt zu haben, sagte der Schriftsteller am Freitag bei seinem einzigen Termin auf der Frankfurter Buchmesse. "Leider hat sie keine Konsequenzen daraus gezogen", meinte der Autor. Grass stellte ein Buch mit Sozialreportagen vor, das er angestoßen, vorfinanziert und herausgegeben hat.

Der Autor sagte, auf den Band sei er "so stolz wie auf kein anderes Buch", für das er als Autor verantwortlich zeichne. Ziel sei es, über Menschen zu berichten, die in der Öffentlichkeit so gut wie nie vorkämen - "höchstens im Armutsbericht". Als Diskussionspartner zur Präsentation hatte man ausdrücklich keine Politiker eingeladen, sondern den Kinderschutzbund, Wohlfahrtsverbände, die Globalisierungsgegner von attac und die Heilsarmee.

"Der Begriff der Solidarität ist auf den Hund gekommen"

Grass spricht über den Zustand der Gesellschaft. Es sei unfassbar, dass die Debatte um Erbschafts- und Vermögenssteuer "als Neiddebatte" wahrgenommen werde. In vielen Bereichen wie beispielsweise im Gesundheitswesen seien Interessengruppen stärker als das Parlament. "Auch das ist ein Missstand", sagte der Autor. Ein wachsender Teil der Gesellschaft komme in den Entscheidungen der Politik nicht oder nur am Rande vor. Der Band "In einem reichen Land" (Steidl Verlag, Göttingen, 640 S., Euro 34,--) vereint 40 Texte von Journalisten und Schriftstellern, die das "Bild eines Landes zeichnen, in dem sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet", wie es in einer Mitteilung des Verlags heißt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.