Vorermittlungen gegen Leo Kirch

14. Oktober 2002, 00:19
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Enron in Bayern?

München - Die Staatsanwaltschaft München hat nach einem Zeitungsbericht Vorermittlungen im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen des Medienunternehmers Leo Kirch an Manager seines insolventen Konzerns eingeleitet. Ein Bericht des Insolvenzverwalters der Dach-Gesellschaft Taurus Holding, Kurt Bruder, werde ausgewertet, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Eckert der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wir prüfen, ob darin genügend Anhaltspunkte für mögliche strafrechtlich relevante Sachverhalte enthalten sind", sagte Eckert.

In dem Bericht führt Bruder nach Angaben der Zeitung Vermögensabflüsse aus der Taurus Holding auf, die den Gläubigern des insolventen Konzerns womöglich vorenthalten worden seien. So sollen drei Manager und Freunde Kirchs, darunter sein ehemaliger Vize Dieter Hahn, Darlehen in Millionenhöhe erhalten haben, die mit Schreiben Kirchs vom September 2001 erlassen wurden. Bruder schließe nicht aus, dass die Briefe Kirchs auf September 2001 rückdatiert worden seien. Denn ein solcher Kreditverzicht zu einem späteren Zeitpunkt, möglicherweise erst wenige Monate vor der Insolvenz Mitte 2002, wäre rechtlich fragwürdig gewesen.

Als Indiz führt Bruder der Zeitung zufolge an, dass die Dachgesellschaft sowohl Kirch Holding als auch Taurus Holding genannt wird, obwohl das Unternehmen auf den Namen Taurus erst per Beschluss im Dezember umfirmiert wurde.

Chaos und Verwechslungen

Hahn und Bruder waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Gegenüber der Zeitung bestritten die genannten Manager Hahn, der Rechtsexperte Klaus Piette und der frühere Sportrechte-Chef Alexander Liegl die Existenz der Darlehen nicht, wiesen den Vorwurf der Rückdatierung aber zurück. Wegen der geplanten Umwandlung in eine Aktiengesellschaft habe es im Herbst 2001 Chaos und Verwechslungen mit den Firmennamen gegeben, erklärten sie.

Auch ein leitender Kirch-Mitarbeiter sagte Reuters, die Umfirmierung in Taurus Holding sei im September 2001 längst geplant und der Firmenname im Sprachgebrauch deshalb schon üblich gewesen. "Die Begrifflichkeiten liefen im Arbeitsalltag vollkommen durcheinander. Deshalb ist das kein Beleg für ein Rückdatieren der Briefe."

Das einstige Medienimperium des 75-jährigen Kirch ist inzwischen größtenteils insolvent. Mit der Film- und Sportrechte-Gesellschaft KirchMedia und dem Abo-Sender Premiere stehen die wichtigsten Geschäftsbereiche zum Verkauf. (APA/Reuters)

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