Gewerkschaften fordern Staatshilfe

12. Oktober 2002, 14:55
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Demos gegen Sperre des sizilianischen Werks gehen weiter - EU-Kommissionspräsident besorgt

Rom - Die italienischen Gewerkschaften fordern den Einstieg des italienischen Staates in den krisengeschüttelten Autokonzern Fiat, um die 8.100 gefährdeten Arbeitsplätze zu retten. "Das Wichtigste ist Italiens Autoindustrie zu retten. Eine direkte Beteiligung des italienischen Staates könnte die einzige Rettung für das Unternehmen sein", betonte der Chef des Gewerkschaftsverbands UIL, Luigi Angeletti.

Die Gewerkschaften forderten die Regierung zu einem "Marshall-Plan" zur Rettung der nationalen Autoindustrie auf. "Der massive Stellenabbau bestätigt unsere Befürchtungen: Fiat hat keinen Entwicklungsplan für die Autosparte und für die Unternehmen, die um diese Branche kreisen", kritisierte ein Gewerkschaftssprecher. Vieles erhoffen sich die Gewerkschaften von der Regierung, die noch an diesem Wochenende das Fiat-Management treffen wird.

Staatliche Hilfe mit Verschrottung und Steuersenkung

Zugleich will die Regierung die im Juli ergriffenen Maßnahmen zur Belebung der Autoindustrie auch auf das Jahr 2003 verlängern. Mit Steuererleichterungen versucht das Kabinett, den Kauf umweltfreundlicher Neuwagen zu fördern. Ziel ist, zur Verschrottung von 12 Millionen Altautos beizutragen und zugleich die lahme Autoindustrie zu unterstützen.

"Die Regierung wird das Mögliche unternehmen, um die Arbeitsplätze zu retten. Wir überprüfen eine Reihe von Wegen, die natürlich mit den EU-Richtlinien im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit vereinbar sein müssen", betonte Vizepremier Gianfranco Fini.

In Termini Imerese (Palermo), in dem das Fiat-Produktionswerk mit über 1.600 Arbeitnehmern gesperrt werden soll, fand am Samstag erneut eine Demonstration der Belegschaft statt. Einige Fiat-Arbeitnehmer ketteten sich an die Eingänge des Werks, in dem das Automodell Punto hergestellt wird.

Prodi besorgt

Der EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat sich wegen des bekundeten Stellenabbaus bei Fiat besorgt gezeigt. "Am Montag werde ich in Turin sein, die Stadt ist in großen Schwierigkeiten. Die EU setzt uns Grenzen, weil wir den Wettbewerb unter den europäischen Unternehmen verteidigen müssen. Wir haben Regeln, die wir berücksichtigen müssen. Daher werden wir sehen, was für Fiat unternommen werden kann", sagte Prodi, der in Bologna an einem Seminar über die EU-Erweiterung teilgenommen hat.

Der italienische Ministerpräsident bekundete indes, dass er am Sonntag das Fiat-Management treffen wird, um über die Krise der größten italienischen Privatgruppe zu diskutieren. Fiat-Präsident Paolo Fresco hatte am Freitag in einem Zeitungsinterview eine Totalübernahme von Fiat durch den amerikanischen Partner General Motors (GM) nicht ausgeschlossen. (APA)

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