Bombenanschlag von Helsinki: 17-Jähriger festgenommen

16. Oktober 2002, 11:01
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Jugendlicher soll im Chatforum des Selbstmord-Attentäters Petri Gerdt technisches Wissen über Bombenbau ausgetauscht haben

Helsinki - Die finnische Polizei hat am Dienstag im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag vom Wochenende in einem Einkaufszentrum bei Helsinki einen 17-Jährigen sowie drei weitere Personen vorläufig festgenommen. Sie sollen dem 19-jährigen mutmaßlichen Bombenleger Petri Gerdt über das Internet Ratschläge zum Bau von Sprengsätzen gegeben haben, sagte ein Polizeisprecher. Bei dem Anschlag waren sieben Menschen, darunter auch der 19 Jahre alte Chemiestudent und mutmaßliche Attentäter, ums Leben gekommen.

Chatforum

Der zuständige Fahndungschef Tero Haapala teilte mit, dass der 17- Jährige zu den Internet-Kontakten des Selbstmord-Attentäters Petri Gerdt gehörte, wo junge Finnen in einem Chatforum technisches Wissen über das Bauen von Bomben austauschten. Der Jugendliche wurde wegen Beihilfe zu schwerer Sabotage verhaftet. Polizeichef Tero Haapala erklärte, der verhaftete Jugendliche stehe in Verdacht, dem Täter Informationen über den Bombenbau geliefert zu haben. Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.

Die Polizei gehe aber weiter davon aus, dass der Student die Bombe allein hergestellt und gezündet habe. "Er hat allein gehandelt. Es war niemand mit ihm in dem Einkaufszentrum", sagte Haapala. "Aber wir haben immer noch kein klares Bild zum Motiv."

Drei "Chater" festgenommen

Wie Haapala weiter sagte, werden drei weitere Personen festgenommen, weil sie mit dem Täter in einem Chat-Raum, dem so genannten "Bomben-Forum", über selbst gebaute Sprengkörper diskutiert hätten. Die Bombe sei wohl mit Hilfe von Anweisungen anderer gebaut worden, sagte Haapala.

Bestätigt wurde, dass die Fahnder mehrere der Beteiligten an dem Chatforum intensiv verhört haben und sich neben dem 17-Jährigen für einen weiteren Jugendlichen besonders intensiv interessiert. Vier Tage nach dem Anschlag erklärte die Polizei, sie sei nun sicher, dass Gerdt die Bombe selbst gebaut und in dem am Freitagabend von mehr als 1.000 Menschen besuchten Zentrum absichtlich gezündet habe.

Eine Reihe von Motiven

Über seine Motive habe man "eine Reihe von Erkenntnissen", wolle diese aber vorerst nicht veröffentlichen. Bisher hatten die Fahnder auch für möglich gehalten, dass Gerdt den Sprengsatz versehentlich zur Detonation gebracht hatte.

Weiter hieß es, die Bombe habe aus Ammoniumnitrat bestanden und sei "relativ einfach" konstruiert gewesen. Sie war zur Verstärkung der Wirkung wie eine Splitterbombe mit Metallkugeln gefüllt. Bei der Explosion wurden über 80 Besucher des Zentrums verletzt, von denen etwa 30 am Dienstag weiter in Krankenhäusern behandelt werden mussten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Überall herumliegende Trümmer und Splitter nach der Bombenexplosion im Einkaufszentrum von Vantaa bei Helsinki

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