Masse der Schlossgäste bringt Gewinn

11. Oktober 2002, 21:50
posten

Schönbrunner Betriebsgesellschaf legt Bilanz: Mehr Besucher sind nicht verkraftbar

Wien - Drückt man Erfolg mit vielen Zahlen in steil nach oben zeigenden Grafiken aus, haben Franz Sattlecker und Wolfgang Kipper genug Gründe zum Feiern. Trotzdem "veranstalten wir kein Fest, sondern legen nur Bilanz", nach zehn Jahren ihrer Managementtätigkeit an der Spitze der Schloß Schönbrunn Betriebsgesellschaft.

Um mit dem anzufangen, was unter dem Strich übrigbleibt: Im vergangenen Jahr wurden mit dem Schloss Schönbrunn und seiner Vermarktung 8,4 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Für noch mehr Geld am Konto wird künftig auch der neu errichtete Irrgarten sorgen. "Der wirft nämlich schon im ersten Jahr seines Bestehens Gewinne ab", freut sich Sattlecker, dass sich die von der Schönbrunner Betriebsgesellschaft und den Bundesgärten getätigte Investition bezahlt macht. Als die Betriebsgesellschaft unter dem damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Schüssel (VP) per Oktober 1991 aus der Bundesverwaltung heraus genommen wurde, gab es noch ein Minus in Millionenhöhe (damals Schilling) zu bewältigen.

Der Umsatz für 2001, der sich vor allem aus den Eintrittsgeldern der mehr als 1,8 Millionen Besucher im Vorjahr ergibt, liegt bei 20 Millionen Euro. Der Großteil des erwirtschafteten Geldes wird für Investitionen zum Erhalt der kulturhistorisch wertvollen Anlage, die auch "Welterbe" der Unesco ist, verwendet. 70 Millionen Euro wurden in den letzten Jahren in die Sanierung von Gemäuern, Parkanlagen, feiner Tapisserien oder Wandverzierungen gesteckt. Allerdings, so Sattlecker, habe man den Aufwand und die damit verbunden Kosten "naiv" unterschätzt. So sind weitere "30 bis 40 Millionen Euro in den nächsten Jahren" vorgesehen.

Massenpublikum

Angesichts des Massentourismus, den die professionelle Vermarktung des Schlosses mit sich bringt, ist auch Vorsicht gefragt. Weitere Besucheranstürme können im Schloss nicht mehr verkraftet werden. Die Schauräume vertragen keine zusätzliche Staubbelastung.

Schon jetzt werden in den Spitzenmonaten Juli oder August, wenn bis zu 200.000 Deutsche, Japaner, Amerikaner oder immer öfter Besucher aus den angrenzenden Oststaaten eintrudeln, die Besucherströme kanalisiert: Wer kommt und ein Ticket kauft, bekommt auch gleich die Uhrzeit darauf vermerkt, wann er die Prunkräume betreten darf. Eine weitere Steigerung der Besucherzahlen sei nur durch das Schaffen anderer Angebote möglich, glaubt Technik-Chef Wolfgang Kippes.

Nach wie vor ungeklärt ist die Verkehrssituation. Auf der mehrspurigen Schönbrunner Schlossstraße ist meistens Stau. Besucher tun sich schwer von der U4-Station auf der gegenüberliegenden Seite der Straße das Tor zu Maria Theresias ehemaligen Schloss zu erreichen. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.