Krebsrisiko durch Chips und Maissnacks

11. Oktober 2002, 21:37
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Kritik an Untätigkeit von Behörden und Politik - Acrylamid entsteht beim Braten und Backen in Verbindung mit Zucker

Innsbruck - "Die Ignoranz der österreichischen Behörden zu den bisherigen Ergebnissen ist ein Skandal", meinen die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer-Tirol (AK) Ulrike Tembler und Hans Lechleitner. Seit einem halben Jahr würde international zur Problematik des vermuteten Krebserregers Acrylamid publiziert, die Politik sei aber hierzulande völlig untätig.

Daher hat die AK 52 Proben in Österreich vertriebener Lebensmittel an ein Berliner Labor geschickt. In Österreich fand sich niemand mit dem nötigen Analyse-Know-how.

Die von Reinhard Lüdersdorf am Freitag in Innsbruck präsentierten Ergebnisse sollten vor allem den Fans von Kartoffelchips, Knabbergebäck auf Maisbasis und knuspriger Pommes frites zu denken geben. In diesen Produkten wurden bis zu 2000 µg/kg Acrylamid festgestellt. Spitzenreiter sind Knabbereien mit Paprikazusatz. Geringere Belastungen fanden sich in der Brotkruste (bis 200 µg/ kg), Knäckebrot (bis 500) und Kaffeebohnen (bis 300).

Im Tierversuch nachgewiesen

Nach jüngsten schwedischen und kanadischen Forschungseregebnissen entsteht Acrylamid aus der Aminosäure Asparagin (die in allen strärkehaltigen Nahrungsmitteln vorkommt) in Verbindung mit natürlichem Zucker durch backen und braten bei hohen Temperaturen.

Die krebserregende und erbgutschädigende Wirkung ist im Tierversuch eindeutig nachgewiesen, sagt Lüdersdorf. Die toxische Wirkung auf den Menschen sei noch nicht bewiesen, aber höchst wahrscheinlich. Vorerst sei es daher absurd, über Grenzwerte zu diskutieren. In Schweden spricht man von "einigen Hundert Krebsfällen jährlich", die Acrylamid zugeschrieben werden, womit dieses zu den Top Ten der gefährlichen Stoffe zählen würde.

Nachdem ähnliche Produkte teilweise sehr unterschiedlich belastet sind, verlangen Tembler und Lechleitner Forschungsprojekte, deren Ziel es ist, die Herstellungsverfahren zu optimieren. Derzeit werden als Ansatzpunkte die verschiedenen Back- und Frittieröle, das Alter der verwendeten Kartoffeln und die Höhe der Produktionstemperatur betrachtet. Vorerst bleibe es im Ermessen der Konsumenten, wie sie mit der Bedrohung aus der Chipstüte umgehen, meint Tembler. (hs/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2002)

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    derstandard.at
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