Toleranz von Drogen ohne Mehrheit

11. Oktober 2002, 21:20
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Internationale Tagung: Hilfe für Abhängige allgemein akzeptiert

In der Debatte um den besten Weg, Suchtprobleme in den Griff zu bekommen, verbreitert sich der Graben zwischen Anhängern einer "Zero-Tolerance"-Politik und Liberalen zusehends. Dies zeigt sich auch bei der Tagung der "Rainbow", einer internationalen Vereinigung von mehr als 200 Suchthilfeinitiativen, im Entwöhnungszentrum San Patrignano bei Rimini.

Die Eröffnungsreden strotzen vor martialischen Termini. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte entschiedenen Widerstand gegen jede Art der Liberalisierung und das Ziel eines drogenfreien Italiens an. Und Antonio Costa, Chef der UN-Drogenkontrollbehörde, stellt klar, Aufweichen der Prohibitionsbestimmungen würde UN-Abkommen zuwiderlaufen. Verstärkte Aufklärung und Hilfe für Drogensüchtige wird von den Prohibitionsbefürwortern zwar begrüßt, allerdings stets unter dem Gesichtspunkt, dass den Kindern und Jugendlichen die tödliche Gefahr verdeutlicht wird.

Differenzierte Sichtweise

Im Interview mit dem STANDARD zeigt Gianpaolo Brusini, Toxikologe und Wissenschaftlicher Leiter von San Patrignano, eine differenziertere Sichtweise: "Wichtig wäre, eine objektive Information über Drogen. Das bedeutet aber auch, über mögliche Vorteile zu sprechen." Aufklärungsarbeit im Kindergarten wäre wünschenswert. "Ein Politiker, der das fordert, wird aber wahrscheinlich gekreuzigt", urteilt er nüchtern.

Aus seiner Sicht ist die mangelnde Kommunikation ein Hauptproblem im Umgang mit Drogen und Sucht. Man habe Jugendliche mit Patienten aus San Patrignano zusammengebracht, "die Teenager waren nicht an unseren Informationen interessiert, sie wollten hauptsächlich über ihre Probleme sprechen." (Michael Möseneder aus Rimini/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2002)

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