Klug organisierte Kiste

11. Oktober 2002, 20:31
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Trotz seiner Schlichtheit punktet ein Einfamilienhaus des Architektenteams querkraft mit einigen räumlich interessanten Details.

"Hohe Effizienz" war ein wesentliches Planungskriterium für ein Wohnhaus, das die querkraft-Architekten (Dunkl, Erhart, Sapp, Zinner, Projektleitung: Claudia Maria Walther) in Mauerbach westlich von Wien realisierten. Das neue Haus wurde anstelle eines Wochenendhauses aus der Nachkriegszeit errichtet. Zur Kostenminimierung blieb der Keller des bestehenden Hauses erhalten und diente quasi als Sockel für den Neubau, der, in Holzbauweise über zwei I-Trägern ruhend, in nur einem Tag daraufgestellt wurde. Die vorgefertigten Holztafeln aus einer mit Grobspanplatten beplankten Holzriegelkonstruktion wurden samt Fenstern und Türen angeliefert.

Nur zwanzig Einzelteile waren für das gesamte zweigeschoßige Haus notwendig. Das bestehende Kellergeschoß wurde zum Garten hin geöffnet, mit den gleichen schwarzen Bitumenbahnen wie das Dach verkleidet und dient nun als vollwertiges Büro mit vorgelagerter Terrasse. Innen ist der Neubau mit einer Gipskartonschicht verkleidet, hinter der auch die Leitungsführung erfolgt. Die Fassaden bestehen an drei Seiten aus sägerauen Lärchenbrettern, nach Südwesten ist die schlichte Kiste verglast, um von Sonne und Aussicht zu profitieren.

Wohnzone oben

Die bessere Aussicht war auch Grund dafür, die Wohnzone mit Küche ins obere Geschoß zu legen. Im Erdgeschoß liegen die Schlafzimmer bzw. ein Arbeitszimmer beiderseits der Erschließungsachse, in der eine einläufige Treppe nach oben führt. Begrenzt wird die Treppe auf der einen Seite mit einem durchlässigen Sportnetz, an der anderen von einer knallgelben Lkw-Plane, in die Taschen als Stauraum eingearbeitet sind. Entlang der Straßenfassade liegt eine extrem schmale Servicezone, in der Toiletten und Bad untergebracht sind. Sie ist so minimiert, dass die Tiefe des Badezimmers mit 89 cm gerade der Breite der Wanne entspricht.

An den beiden Enden liegen die Waschtische, die jeweils durch separate Türen erreicht werden. Ursprünglich wünschten sich die Bauherren schon ein geräumiges Badezimmer. Da sie aber ähnlich wie die Architekten höchst pragmatisch veranlagt sind, schätzen sie diese Sparvariante nun wegen seiner Funktionalität - man steht sich zum Beispiel beim Zähneputzen durch die beiden Waschplätze an den Raumenden nicht im Weg - als einzigartiges Detail in ihrem Haus. Sowohl parallel zur Nebenraumzone als auch an der Gartenseite verlaufen über die gesamte Hausbreite zwei interne Verkehrsachsen.

Türen, raumhoch

Raumhohe Türen trennen die Zimmer. Diese Flexibilität im Verbinden und Trennen sowie die Gleichheit der Räume erlauben eine hohe Nutzungsneutralität und spätere Neuorganisationen. Das obere Geschoß blieb ohne Raumtrennung. Entlang der Straßenfassade liegt auch hier die Versorgungszone in Form einer Küchenzeile und einer Regalwand. "Luftarchitekturen" nennen die Architekten die kleinen Zutaten, die dem Haus erst "das gewisse Extra" verleihen.

An der Straßenseite sind dies kleine Blumen- oder Kräuterbalkone vor den Fenstern. An der Gartenseite ist es der aus einer zarten Stahlkonstruktion errichtete Balkon mit Geländerfüllungen aus Sportnetzen. Im Erdgeschoß ist er gerade ein schmaler Austritt und dient zum Beispiel zum Lüften der Bettwäsche. Im Obergeschoß findet hier auch ein Esstisch Platz. Zur Beschattung dienen weiße Markisen.

Trotz aller Minimierungsmaßnahmen und teils knapper Raumzuschnitte gelang ein überraschend reiches Gesamtes. Die schnoddrige Nonchalance mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, in diesem Fall entspricht sie den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Bewohner. (Franziska Leeb/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2002)

querkraft-Architekten (Dunkl, Erhart, Sapp, Zinner) Pilgramgasse 1/2/17, 1050 Wien, Tel. (01) 548 77 11

Link

querkraft.at

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