Die trockenen Oasen

11. Oktober 2002, 20:31
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Ein Wiener Ökologenteam entwirft Strategien zur Erhaltung des Artenreichtums in den letzten Trockenrasenflächen Österreichs

Trockenrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa - noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vorwiegend als Viehweiden genutzt, sind die trockenen, nährstoffarmen Magerwiesen durch Aufforstung, Verbauung und Intensivbewirtschaftung mittlerweile auf kleine Inseln inmitten von Äckern und Weingärten zusammengeschrumpft. In einer interdisziplinären Studie untersuchten Wiener Forscher, wie die Vielfalt an typischen Trockenrasenarten in der heutigen Kulturlandschaft bewahrt werden kann.

Als Teil des vom BMBWK finanzierten Programms "Kulturlandschaftsforschung" nahmen die Ökologen zahlreiche Organismen und Umweltparameter in 50 Trockenraseninseln im Wiener Becken und im Nordburgenland näher unter die Lupe. In den zwischen 0,05 und 10 ha großen Biotopen konnten dabei insgesamt weit über 1000 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden. "An die 200 davon, wie z.B. das Ziesel oder die Zwergschwertlilie, können nur auf Trockenrasen überleben", warnt Projektleiter Max Abensperg-Traun von der Universität Wien eindringlich, "sie sind also auf Gedeih und Verderb auf diese Restflächen angewiesen."

Die Untersuchungen ergaben auch, dass die Artenzahl in den Trockenraseninseln umso höher ist, je niedriger die Vegetation im Biotop selbst und je höher der Flächenanteil von trockenen Brachen und Wegrainen in dessen Umgebung ist. Um die Artenvielfalt zu erhalten, plädieren die Ökologen daher für gezielte Managementmethoden: Traditionelle Bewirtschaftung selbst kleiner Trockenraseninseln durch Beweidung oder Mahd, um eine "Verbuschung" zu verhindern; Erhaltung der umgebenden trockenen Lebensräume, die von Trockenrasenarten quasi als "Trittsteine" zwischen den einzelnen Inseln genutzt werden und Vernetzung mit den wenigen noch verbliebenen großen Trockenrasen, die somit als Quelle für die Wiederbesiedlung dienen können.

Da die meisten Trockenrasen auf landwirtschaftlichem Gebiet liegen, arbeiten die Ökologen bei der Umsetzung dieser Maßnahmen eng mit Agrarökonomen zusammen. "Besonders wichtig ist, dass man den Grundeigentümern eine wirtschaftliche Basis für die Pflege und Erhaltung dieser Flächen bieten muss", ist Abensperg-Traun überzeugt. "Die bereits bestehenden agrarischen Förderungsinstrumente müssen dafür von den Behörden gezielter und effizienter eingesetzt werden." Aber auch Landschaftsarchitekten und Ökopädagogen des Naturhistorischen Museums sind in das Projekt eingebunden. Ihre Aufgabe ist es, Landwirten, Behördenvertretern, Schülern und der Bevölkerung den Wert und die Ästhetik dieser Biotopinseln zu vermitteln, bevor die letzten trockenen Oasen unwiederbringlich verloren gehen. (Angelika Prohammer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 10. 2002)

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