Mit Nachhaltigkeit Geld verdienen

24. Oktober 2002, 10:40
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Frauen stehen als Zielgruppe für Ethische Fonds hoch im Kurs, dieStandard.at fragte Investmentberaterin Elisabeth Höller, warum

Elisabeth Höller ist Vermögensberaterin und leitet die Dr. Höller Vermögensverwaltung und Anlageberatung mit Sitz in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Vor sieben Jahren nahm sie als eine der ersten Consulterinnen in Österreich Ethikfonds in ihr Angebot auf.

dieStandard.at: Warum werden gerade Frauen häufig als bevorzugte Zielgruppe für Ethische Fonds genannt?

Elisabeth Höller: Weil es eine faszinierende Realität ist, dass Frauen ihr ganz natürliches Verantwortungsdenken der Natur und den Menschen gegenüber ganzheitlich auch in ihre Anlage- und Vorsorge-Konzepte einfließen lassen. In unserem Ethikfonds zum Beispiel haben wir jetzt eine bald siebenjährige Erfahrung mit unseren Investorinnen und Investoren. Man kann heute fast sagen, der Fonds investiert so, wie er es tut, wegen der Investorinnen, denen wir es bestmöglich recht machen wollten, denn wir haben seinerzeit in der Startphase des Fonds gespürt, dass für die sozial/human und ökologisch sensible Art von Investment-Denken noch kaum ein professionelles, ausgereiftes Angebot vorlag. Dabei konnten wir auch feststellen, in einem vergleichbaren Mass, in dem die Frauen ganz generell die Welt der Börse und der Geldanlage eroberten - in den letzten 5 Jahren plus minus - auch die Quote des Interesses an sozial und ökologisch verantwortbaren Investments anstieg.

Aus einer von uns in in der Schweiz Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage aus 1997 ging hervor, dass Frauen rund doppelt so stark daran interessiert sind wie Männer, dass ihr Geld ethisch und ökologisch verantwortungsbewusst investiert wird. Eine inetwa um die gleiche Zeit durch uns veranlasste österreichische Gallup-Umfrage erbrachte kein so deutlich überwiegendes Dameninteresse an der Ethik. Wir erklären uns das heute mit dem damals noch deutlich geringeren Entwicklungsgrad des Damen-Interesses an der Börse in Oesterreich und mit dem etwas anders gestalteten Aufbau des Umfragekonzepts. Weitere Untersuchungen dieser Art sind dringend nötig.

dieStandard.at: Welche Rolle spielt Ethik heute bei der Geldanlage?

Elisabeth Höller: Ethische Fragen haben im Umfeld von Geldanlagen einen ganz stark wachsenden Stellenwert. Ethik ist stark im Kommen in allen Lebensdimensionen, auch in den Unternehmen, auch in den Banken, ja selbst in der Mode: Ich lese heute gerade in der Schweizer „Sonntagszeitung“ von heute 13. Oktober 2002 ein Interview mit dem Modeschöpfer Giorgio Armani, und was sagt der da ganz unnachahmlich auf Seite 105: „Wenn die Zeiten härter sind, wenden sich die Menschen lieber vertrauten Dingen zu. Sie kaufen Dinge von einer bestimmten Qualität, als suchten sie unbewusst bleibende Werte. Vielleicht ist das das Problem, in dem jetzt viele Firmen stecken: sie machen sie nicht genug Mühe, Integrität aufzubauen. Dabei ist das das Wichtigste!“
Integrität, Sitte und Anstand walten zu lassen, das war seit jeher eine Domäne der Frauen. Somit ist der Vormarsch des ethischen Bewusstsein in der Bevölkerung und in der Wirtschaft jedenfalls klar korrelierend mit dem Vorrücken der Frauen in neue gesamtgesellschaftliche Verantwortungs-Dimensionen, auch wenn dies in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit – glücklicherweise - noch gar nicht als spezifisches Frauenthema wahrgenommen wurde. Persönlich meine ich, das ist auch besser so.

Ethik ist außerdem der Blutkreislauf, der bewirkt, dass die Unternehmenskultur funktioniert. Ethik ist die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen zwischen den Stakeholdern. Jeder in einem Unternehmen sollte so handeln, dass der andere, der mit ihm zu tun hat, ihm vertrauen kann, sich auf ihn und seine Leistungen verlassen kann. Ohne eine intakte Vertrauensbasis ist ein Unternehmen schlecht dran. Fehlt die natürliche gesunde Vertrauensbasis oder wurde sie durch Ereignisse oder Massnahmen gestört, so ist das nicht nur schlecht für die Unternehmenskultur sondern auch für den Unternehmenserfolg, und – wenn das Unternehmen an der Börse ist, spürt man das auch im Aktienkurs.

dieStandard.at: Welche Gründe sprechen für Ethische Fonds und warum würden Sie dazu raten?

Elisabeth Höller: Es tut gut, zu wissen, dass man heute, wenn der Anlageprozess richtig mit einem Ethikfilter kombiniert wird, genauso gutes Geld verdienen kann, ich sage, mindestens so gut, wie bei einem „normalen“ Fonds, aber zusätzlich auch noch ein gutes Gewissen haben kann, mit dem, was dort abläuft. Das heisst, niemand muss heute, wenn ein Fonds, wie gesagt, professionell gemanagt ist, mehr Angst haben, dass er oder sie auf längere Sicht weniger gutes Geld verdient mit ethisch/ökologisch verantwortbaren Anlagen.

Wichtig ist, dass sich die Investorin bei der Auswahl ihres Fonds ganz allgemein – ungeachtet von der ethischen Selektion – zuerst einmal bewusst ist, dass Obligationen weniger Risiko bedeuten als Aktien und innerhalb des Aktien-Segments wiederum kleine Unternehmen, die gar nicht börsegängig oder erst seit kürzerem an der Börse sind, wesentlich mehr Risiko beinhalten als grosse multinationale Konzerne. Wenn also ein Ethik- oder Nachhaltigkeits-Fonds mehr in kleiner oder gar nicht börsegängige Projekt investiert, beinhaltet diese Anlage systemgemgemäss mehr Risiko als eine in einem Fonds, der vor allem grosse Blue Chip-Unternehmen oder gar Staats-Obligationen berücksichtigt.

Ich finde auch wichtig, dass frau klar zwischen Spenden und Investieren unterscheidet. Spenden heisst, Gutes tun und dabei nicht gewinnorientiert denken. Ethisch verantwortungsvoll investieren heisst, „mit Geld Geld verdienen“, aber das mit Sitte und Anstand. Und das ist möglich mit einem Fonds, bei dem ein entsprechend geschultes Analyse- und Portfolio Management-Team am Werk ist. Zudem lernen wir als Beratungsfirma, weil wir an jedes Unternehmen bzw. jedem Obligationen-Emittenten, der für den Fonds als Anlage infrage kommt, auch einen Ethik-Fragebogen versenden, ganz viel zusätzliches über die von uns erwogenen Anlageinstrumente.

dieStandard.at: Was sind die Risiken und wie unterschiedlich ist die Gewinnspanne von Ethischen Fonds im Vergleich zu anderen Fonds?

Elisabeth Höller: Die Risiken sind nicht grösser aber auch nicht kleiner als in anderen Fonds mit vergleichbaren Anlageklassen (d.h. Aktien und oder Obligationen) in vergleichbarer Anlagequalität. Es gibt zwar Fonds, bei denen die Diversifikation (Anzahl und Verteilung der Anlagen) nach finanzanalytischen Gesichtpunkten allenfalls nicht genügend gross ist. Dies trifft bei uns nicht zu. Wir können aus je ca 300 von unserem Ethik-Research bereits untersuchten Aktien und Emittenten weltweit Titel selektionieren und dürfen darüber hinaus unbegrenzt neue Titel auswählen, die uns ethisch gut qualifiziert scheinen, wenn wir sie dem Analyse-Team und danach dem Ethik-Komitee zur Bearbeitung vorlegen. Das heisst, bei uns gibt es kein eingegrenztes „ethisches Anlageuniversum“. Bei Mitanbietern muss das in einzelnen Fällen genauer untersucht werden, z.B. bei sogenannten Sektorfonds (Wasser, Gesundheit, Umwelt-Technologie etc.).

In bezug auf die Kosten und unsere Gewinnspanne haben wir von Anfang an gesagt, die dürfen nicht zu hoch ausfallen, trotz der sehr erheblichen Zusatzaufwendungen für die Ethik-Analysen. Denn wir möchten auch für unseren Arbeitsprozess und unsere Kalkulationen eine angewandte Investment-Ethik herzeigen können. Somit sind unsere Margen eher kleiner als in der Investment-Branche generell. Wer möchte, kann sich bei mir melden und sich telefonisch bei den einmal monatlich stattfindenden Ethik-Komittee-Telefonkonferenzen zuschalten. Das ist eine sehr faszinierende Sache.

dieStandard.at: Warum würden Sie sich persönlich für einen Ethikfonds entscheiden?

Elisabeth Höller: Weil ich überzeugt bin, dass die Verantwortung gegenüber der Umwelt und den wichtigen anderen Anspruchsträgern von den AnlegerInnen untersucht und kontrolliert werden sollte, und zwar nicht nur von den Pensionskassen und öffentlichen Investoren sondern von jedem einzelnen Publikumsanleger und jeder einzelnen Anlegerin. Als wir vor sieben Jahren mit diesem Ethik-Investment-Konzept begannen, war die allgemeine Sensibilität für Transparenz und gutes Gewissen beim Investieren noch lange nicht so hoch wie heute. Und diese Sensibilität nimmt ständig zu.
Ich denke, die Thematik „ethisch verantwortungsbewusst Investieren“ wird bald einmal zu einem noch ausgeprägteren Megatrend werden als dies bei Gesundheitsaktien oder vormals bei den Technologiewerten der Fall war. Auf jeden Fall, denke ich, dass dieser Trend dauerhafter und nachhaltiger sein wird als irgendwelche zyklische Modeerscheinungen an den Finanzmärkten. Wir werden wahrscheinlich nicht erst fünf oder zehn Jahre warten müssen, um uns in einem Rückblick über diesen Megatrend zu unterhalten !

dieStandard.at: Wie ist das derzeitige Interesse an diesen Fonds und wie entwickeln sie sich in der aktuellen Situation am Aktienmarkt?

Elisabeth Höller: Generell sind die KapitalanlegerInnen zurzeit wie gelähmt durch die massiven Kursrückschläge bei Aktien, die allein seit Jahresanfang bei vielen Titel bis über 50 % ausmachten. Viele wollen darum von Wertpapieranlagen jetzt gar nichts mehr wissen. Das ist schade, weil ja auf dem jetzigen wesentlich tieferen Kursniveau, historisch gesehen, die Kurschancen wesentlich besser sind als noch vor ein oder zwei Jahren.

Aus der Sicht unseres Ethik-Fonds nimmt das Anlageinteresse kleinweise weiter zu. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das zurzeit für alle Öko- und Ethikfonds generell gilt. Es ist uns ein grosses Anliegen, zu zeigen, dass die ethische Gesinnung beim Investieren unbedingt auch noch mit qualifizierter Anlage-Professionalität gepaart sein muss. Wenn wir die eine oder andere Aktie als sehr nachhaltig ansehen, dann werden wir sie, wenn wir sie als zu teuer ansehen oder auch aus anderen Gründen Kursrückschläge befürchten trotz ihrer ethischen Qualifikation verkaufen.

dieStandard.at: Warum haben Sie Ethische Fonds in ihr Angebot aufgenommen?

Elisabeth Höller: Als vor sieben Jahren verschiedene Oekofonds auf den Markt kamen, interessierte mich diese Thematik sehr. Doch schon bald hatte ich den Eindruck, vor lauter Umwelt käme der Mensch als Betrachtungsadressat, das heisst die Mitarbeiter, die Kunden, die Geschäftsleitung usw., usw. zu kurz. Da müsste es einen Fonds geben, bei dem in ganzheitlicher Betrachtung die Oeko- und die Human/Sozial-Kriterien „unter einen Hut“ gebracht werden können. Diese Aufgabe reizte mich. Und wir suchten uns eine Bank, die bereit war, da mitzumachen. Das war gar nicht so einfach damals

Wir unterschätzten anfangs die Aufgabenstellung. Ich hatte zu Beginn einmal gesagt: „Ich bin Finanzanalystin und ein anständiger Mensch, da werd ich wohl nicht allzu viel Mühe haben, die guten Unternehmen und Emittenten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen zu legen...“. Aber, schon bald merkten wir, dass man mit Finanzanalyse zwar Bilanzen, aber nicht die Corporate Governance in den Griff bekommt, und so begannen wir in einem separaten Analyse-Durchgang alle Titel nochmals separat ethisch zu durchleuchten.

Da wir bis heute keine Institution gefunden haben, die mit unserer tiefgreifenden ganzheitlichen, teamorientierten mehrstufigen Ethik-Analyse-Methodik arbeitet, machen wir die Analysen immer noch inhouse selber. Wir sind beispielsweise die Einzigen im deutschsprachigen Raum, die mit der gleichen Systematik unseres Stakeholder-Ansatzes, mit dem die Unternehmen untersucht werden, auch die Obligationenschuldner ethisch einstufen, seien dies nun öffentliche Schuldner, internationale Institutionen oder Privatunternehmen. Wir haben mit dieser Arbeitsmethodik sehr gute Erfahrungen gemacht und bauen sie laufend weiter aus.

dieStandard.at: Zum Thema Geldanlage allgemein: Glauben Sie, dass Frauen anders anlegen als Männer?

Elisabeth Höller: Frauen denken anders, fühlen anders als Männer, das weiß man. Im Investmentverhalten gibt es auch Unterschiede, aber die sind gar nicht so gross wie man meinen könnte, man sollte sich hüten, da Schwarz/Weiss-Differenzen herauszulesen. Besser ist es, von Verhaltens-Nuancen sprechen. Vorausschicken möchte ich: Nach über 25 Jahren Erfahrung im Börsegeschäft – aus der Perspektive des Finanzplatzes Schweiz, mit einem Blick aus einem Augenwinkel auch auf Oesterreich - darunter schon rund 20 Jahre im eigenen Unternehmen, hat es mich seit jeher fasziniert zwischen Männern und Frauen Vergleiche anzustellen, nur hatten wir früher auf der Bank oder noch vor 10 bis 20 Jahren in meiner Vermögensverwaltungsfirma fast gar keine Frauen als Kundinnen, d.h., wenn doch einmal eine Frau kam, brachte sie zumeist einen Vater, Onkel, Bruder oder Cousin mit, der dann das Gespräch führte. Erst im Lauf des vergangenen Jahrzehnts hat sich das geändert.

Heute haben wir in unserer Vermögensverwaltungsfirma bei den Mandaten, die über unsere Strategiefonds verwaltet werden, eine Quote von über 40 Prozent Frauen. In der individuellen Vermögensverwaltung, in der direkt Aktien und Obligationen ge- und verkauft werden, ist die Frauenquote nur gut 20 Prozent. Es ist halt so, dass das Geld bis heute zumeist in Männerhänden liegt, Frauen sind nicht nur in ihren Einkünften sondern auch in ihren Vermögen „ärmer“ als Männer...

In Bezug auf die konkrete Titelauswahl in den Depots oder den Anlagestil sind bis heute keine besonderen geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen bekanntgeworden, nicht aus der wissenschaftlichen Litaratur und auch nicht aus meiner Praxis. Die Damen reden – vielleicht, um andere ja nicht neidisch zu machen – in der Regel lauter von ihren Verlusten als von den Gewinnen... Wehe dem Ehemann oder Anlageberater, der sie deswegen unterschätzt!

dieStandard.at: Mit welchen Zielen gehen Frauen ans Anlegen heran?

Elisabeth Höller: Im allgemeinen zuerst einmal mit dem Ziel der Aus- und Weiterbildung, ehe sie voll zuschlagen. Zum Beispiel melden sich bei Investment-Seminaren in den letzten Jahren immer mehr Damen an als früher, wo dort die Herren mehr oder weniger „unter sich“ geblieben waren. Aber, sind die Damen dann dort in der Minderheit, dann reden sie zumeist sehr wenig, lassen die Herren reden. Sind die Damen in der Mehrheit, dann reden die Herren im allgemeinen trotzdem mit, aber es überwieg vielfach eine Art von „Frauen-Athmosphäre“, das heisst, es gibt so gut wie überhaupt kein Imponiergehabe, sorry, wenn ich das so offen sage.

Es ist nun mal so an Seminaren, Workshops, in Beratungs-Gesprächen oder auch bei privaten Gelegenheiten, dass die Frauen in der Regel mit Bemerkungen beginnen: „Ich verstehe von Börse gar nichts/gar nicht viel/sehr wenig.....“ oder „...ich hatte zuletzt eine Menge Geld verloren, es ist mir gar nicht viel gelungen, z.B. mit der Aktie X, mit dem Optionsschein Y....“. Erst im 2. oder 3. Satz, manchmal erst, wenn nachgefragt wird: haben Sie auch Erfolge gehabt oder ähnliches, schieben die Damen Hinweise über ihre Kursgewinne, über erfolgreich sichergestellte Mehrwerte etc. nach. Bei den Herren ist es in der Regel umgekehrt. Sie berichten eingangs eher über ihre Erfolge und erst – je nach Mentalität – danach oder gar nicht auch von den Flops. Aber, solche Gesprächsverläufe haben m.E. mehr mit dem allgemeinen Rollenverhalten zu tun als mit dem Investmentverhalten.

dieStandard.at: Wie risikofreudig sind Frauen beim Anlegen?

Elisabeth Höller: Aus meiner langjährigen Erfahrung heraus kann ich bestätigen, dass Frauen generell weniger risikofreudig sind als Männer. Bei einem der von mir gemanagten Wachstumsfonds zum Beispiel, der im langjährigen Schnitt zu rund 2/3 global in Aktien investiert, ist nach unseren Kenntnissen die Damenquote deutlich unterdurchschnittlich. Bei diesem Fonds gibt es keinen Ethikfilter. Bei unserem Ethik-Strategiefonds, der besonders auf Risikominimierung ausgerichtet ist und eine Aktienquote von rund 30 Prozent im langjährigen Durchschnitt hat, liegt die Damenquote bei über der Hälfte. Die genannten Zahlen beziehen sich nur auf die Kunden, die wir persönlich kennen, und die nicht einfach zu ihrer Bank gehen und dort die von uns gemanagten Fonds gekauft haben. Hierzu liegen uns bisher keine statistische Angaben vor.

Und wenn sich die Frauen selbständig mit Anlageentscheiden auseinandersetzen, so sind sie dabei im allgemeinen vorsichtiger und weniger risikofreudig. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Frauen als selbstdisponierende Börsianerinnen pflegen im allgemeinen im Umgang mit ihrem Bankberater einen sehr ruhigen „Buy Hold“-Anlagestil. Damen mit hohem Depotumschlag sind bis heute eher noch die Ausnahme.

dieStandard.at: Und wie gehen Frauen großteils an ein Anlageproblem heran?

Elisabeth Höller: In der Regel auch mit sehr grossem Respekt und Verantwortungsgefühl. Ja, man kann immer wieder feststellen, dass sie sich vielfach mehr zögerlich, unsicher bis wankelmütig verhalten als dies Männer im Durchschnitt tun. Sie leiden vielfach unter ihrer Geldverantwortung – unabhängig von der Grösses des Vermögens – und brechen darunter bisweilen schier zusammen. Das hängt auch heute noch aus meiner Sicht mit dem traditionellen Rollenverständnis der Frau als Hüterin und Bewahrerin, als Mater Familias mit der Schlüsselgewalt und der Verpflichtung, das ererbte Vermögen beieinander zu halten, zusammen. Bei den Männern ist nach wie vor im Rollenverhalten etwas mehr von Erobern und Aufbauen Wollen zu spüren.

Männer tun sich mit dem Risiko leichter als Frauen und gehen auch lockerer Risiken ein. Oft reden sie davon, dass sie ein wenig Spielgeld brauchen, dass sie sich dieses Vergnügen des Tradings einfach genehmigen wollen wie einen Sport, vielleicht ja nicht gerade mit dem ganzen Geld, aber eben, um Spass zu haben. Manche Männer kommentieren geradezu ungeniert, ja fast stolz, ihren Spieltrieb. Ich muss sagen, es sind mir kaum Damen in Erinnerung, die mir gegenüber eine solche Haltung zeigten. Obwohl dies seit Jahren mein Eindruck war, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit behaupten, dass Frauen tatsächlich an der Börse dem Spieltrieb weniger verfallen können als Männer. Mag sein, dass es sich bei der Spielsucht, die ja vielfach auch an den Finanzmärkten ausgelebt wird, nicht nur an den Spieltischen oder den einarmigen Banditen, ähnlich verhält wie beim Alkohol. Die Männer neigen wohl auch da manchmal dazu, Übertreibungen bewusst aufkommen zu lassen und auch darüber zu reden.

Das Interview gestaltete Isabella Lechner.

Seminar "Ethische Fonds und Nachhaltiges Investment" von 28. bis 29. Oktober in der Wiener Akademie für Recht und Steuern (ARS).

Unter anderem wird dort auch Elisabeth Höller über Investmentethik referieren.

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Seminarprogramm

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  • Vermögensberaterin Elisabeth Höller glaubt, dass Frauen von Natur aus verantwortungsvoller denken.
    foto: dr. hoeller
    Vermögensberaterin Elisabeth Höller glaubt, dass Frauen von Natur aus verantwortungsvoller denken.
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