Gesuchter Killer passt in kein Schema

11. Oktober 2002, 19:36
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Mehrfachmörder leben oft unauffällig

Wien/Washington - Die Motive von Mehrfachmördern unterscheiden sich maßgeblich vom Motiv "herkömmlicher" Mörder: "Nicht Streit, Rache, Erpressung oder Gewinnsucht treiben Serienmörder an, sondern uneinfühlbare, unpersönliche, ja abartige Impulse, welche mit Lust am Töten, sadistischer Grausamkeit und krankhaftem Narzissmus zu tun haben", meint der heimische Gerichtspsychiater Reinhard Haller. Besonders beängstigend sei die scheinbar angepasste Lebensführung dieser Killer.

Nervenkitzel

Bei der Jagd nach dem Heckenschützen von Washington D.C. tappt die US-Polizei noch im Dunkeln. Längst haben die Ermittler die Kriminalarchive durchforstet und frühere Fälle von Mehrfach-morden mit der jetzigen Anschlagsserie verglichen. Das für die Fahnder frustrierende Ergebnis: Der (oder die) Unbekannte passt in kein bekanntes Schema.

Dadurch lassen sich aus den Persönlichkeitsprofilen früherer Täter auch kaum Rückschlüsse auf den unbekannten Mörder ziehen. Früher oder später, meint der Verhaltensforscher Robert Ressler aus Virginia, werde der Täter aber klarere Hinweise darauf hinterlassen, ob er aus reinem Nervenkitzel handelt oder aus Spaß, aus Rache oder aus Geltungsbedürfnis.

Mordrausch

Mehrfachmörder werden üblicherweise in drei Kategorien eingeteilt: Massenmörder, Serienmörder und "Spree Killer" (vom englischen Begriff spree, übersetzt mit Rausch oder Welle). Massenmörder töten zahlreiche Menschen auf einen Schlag. Serienmörder schlagen Ressler zufolge dagegen immer wieder zu, aber mit längeren "Abkühlpausen", die mehr als einen Monat dauern können.

Der "Spree Killer" tötet auch reihenweise, aber etwas impulsiver als der "klassische Serienmörder". Das heißt, wenn er töten will, wählt er Opfer "nach Zufall" aus. Er begeht Attacken in kurzen Abständen, um seinen Zorn "ausleben", sein Machtgefühl länger genießen zu können. Bisher deutet alles darauf hin, dass der Heckenschütze der dritten Kategorie am nächsten kommt. (APA, dpa, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2002)

Buchtipp: "Die Seele des Verbrechers" von Reinhard Haller, NP Buchverlag, St. Pölten 2002, Preis: 23,90 Euro.

Links

serienkiller.de

www.crimelibrary.com

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