Ein Jahrmarkt des Buddhismus

14. Oktober 2002, 12:43
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Der Dalai-Lama sorgt zum "Kalachakra"-Auftakt für volle Hallen

Graz - Statt Zuckerwatte-Geruchs liegt schwerer Currydunst in der Luft. Und vermischt sich mit dem Nebel, den Räucherstäbchen verströmen. Statt heimischen Biers gibt es Buttertee. Abgesehen von den ungewöhnlichen Gerüchen unterscheidet sich die Atmosphäre auf der "Tibetausstellung" in der Grazer Messehalle zwölf kaum von einem gängigen Jahrmarkt. Unzählige kleine Stände bieten Waren feil. Nur dass - die meisten - eben asiatisch sind. Von Gebetsfahnen zum Selberdrucken bis hin zu Speisen im Schweizer Restaurant "Tibet am Rhein".

Am Samstag eröffnete der Dalai-Lama in Graz die Ausstellung zum Auftakt des Weltbuddhistentreffens "Kalachakra für den Weltfrieden 2002". Er sorgte für volle Hallen und zog ein gemischtes Publikum an. Von buddhistischen Mönchen über gestylte Jugendliche bis hin zu Familien mit kleinen Kindern. Alle versuchten, einen Blick auf den 66-jährigen Star des Buddhismus zu erhaschen.

Mitgefühl, Zuneigung

Doch die lockere Athmosphäre hat auch eine andere Seite. Die Security- "Schatten" des Dalai-Lama sind nie weit. Auch wenn er, wie am Samstag, vor rund 8000 Menschen in der Grazer Stadthalle von "Mitgefühl und Zuneigung als zentrale Werte einer weltlichen Ethik" spricht. Milde lächelnd und auf seinem weißen Polstersessel hin- und herpendelnd.

Im Publikum waren auch rund 300 Nonnen und Mönche, die den Gottkönig begleiten. Darunter auch eine 40-jährige Österreicherin, die als buddhistische Nonne in Australien lebt. "Das hier ist für mich einfach ein großartiges Erlebnis", sagt sie im STANDARD-Gespräch. Sie schläft derzeit im Massenlager, das extra für Helfer eingerichtet wurde.

Peter Riedl, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft, glaubt, dass das bis zum 23. Oktober stattfindende Kalachakra (Einweihungsritual in den tibetischen Buddhismus) die Zahl der Buddhisten in Österreich (derzeit rund 16.500) steigern wird. "Es geht hier um das Überwinden von Gewalt, ähnlich der Psychotherapie", entschärft Riedl kürzlich aufgekommene Kritik am Kalachakra. (Andrea König/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 10. 2002)

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    Der Dalai Lama, flankiert von Bürgermeister Alfred Stingl (SP) und Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (VP)

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