"Integrations-Pionierin Österreichs" geehrt

11. Oktober 2002, 19:00
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Jaklin Freigang gilt als Begründerin der Wiener Integrationspolitik

Wien - "Integration ist in Wien gelebte Normalität - diese erfreuliche Tatsache haben wir engagierten Menschen wie Ihnen zu verdanken" - mit diesen Worten eröffnete Wiens Integrationsstadträtin Renate Brauner am Freitag die Ehrung "einer der IntegrationspionierInnen Wiens und Österreichs", nämlich von Jaklin Freigang.

Jaklin Freigang, Wissenschafterin im Bereich Integration, wurde am 7. Mai 1936 in der Türkei geboren. Von 1963 bis 1972 studierte sie in Wien Staatswissenschaften, Soziologie, Sozialpsychiatrie und Sprachen) und schloss mit ihrer Diplomarbeit "Die Anpassungsschwierigkeiten türkischer Gastarbeiter in Wien" als Magistra der Soziologie ab.

Schon zum damaligen Zeitpunkt hatte sie erkannt, dass der seinerzeitige Zugang zur Thematik, nämlich ZuwandererInnen als reine "GastarbeiterInnen" zu sehen, erhebliche Schwierigkeiten für die MigrantInnen, aber auch für die Aufnahmegesellschaft mit sich bringen könnte und hatte schon damals Fehlentwicklungen und Lösungsansätze aufgezeigt.

Begründerin der heutigen Integrationspolitik

Sie gilt durch ihren wissenschaftlich fundierten Zugang und durch ihre zahlreichen wissenschaftlichen, beruflichen und auch privaten Aktivitäten auf diesem Gebiet quasi als Begründerin jenes offenen und sich in permanenter Evaluation ständig weiter entwickelnden Zugangs zum Thema Integration in Wien, auf dem auch die heutige Integrationspolitik der Stadt basiert.

Unter anderem wurde ihrem vielfältigen beruflichen Engagement, speziell für die Situation der ausländischen Frauen in Wien, auch vom Europarat durch die Ernennung als Expertin auf diesem Gebiet Rechnung getragen.

Praxisorientierte Standards entwickelt

Darüber hinaus hat sie als Projektleiterin und in der Folge als Dozentin an der Sozialakademie der Stadt Wien bereits Anfang der 80er-Jahre wesentlich zur Herausbildung von praxisorientierten Standards in der Sozialarbeit mit MigrantInnen beigetragen; sie hat eine Vielzahl von richtungsweisenden Studien und Expertisen auf diesem Gebiet, insbesondere auch für die interkulturelle Jugendarbeit, erstellt, wie z. B. eine Expertise über "Jugendarbeit mit Gastarbeiterkindern" im Jahr 1984. Unter ihrer Leitung und auf ihre Initiative hin wurden einschlägige Fortbildungsmaßnahmen für PädagogInnen und SozialarbeiterInnen eingerichtet und durchgeführt.

Silbernes Ehrenzeichen

Jaklin Freigang ist aufgrund ihrer langjährigen und vielfältigen - von praktisch allen Institutionen und einschlägigen Vereinen anerkannten und geschätzten Tätigkeit - und ihres über die Grenzen der reinen Berufsauffassung weit hinaus reichenden Engagements bis heute eine stets intensiv zu Rate gezogene, allseits aufmerksam gehörte und gefragte Autorität auf diesem Gebiet. Deshalb wurde ihr in Anerkennung ihrer bedeutenden Verdienste um das Land Wien das Silberne Ehrenzeichen verliehen. (red)

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