Der Bet-Kampf gegen Abtreibung

11. Oktober 2002, 18:54
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Lebensschützer-Kongress in Wien - Kliniken beklagen Belästigung

Wien - "Lasset die Kleinen zu mir kommen", beschwört das Transparent in der Kirche am Wiener Gürtel. Darunter beten und singen rund 100 Leute. Sie haben sich zur "Weltkonferenz von Human Life" versammelt, um bis diesen Samstag drei Tage lang in Wien Vorträge wie "Wurzeln und Handlanger des Todes" zu hören, mit dem Moraltheologen Andreas Laun "Gebetsvigilien" abzuhalten und im "Rosenkranz-Gebetszug" vor die Abtreibungsklinik am Fleischmarkt zu ziehen. Auch für diesen Zug üben die Abtreibungsgegner im Konferenz-Seminar "Training für geistliche Kriegsführung".

Die Resultate dieser "Kriegsführung" kennt Theresa Beham nur zu gut. Seit fast zwei Jahren stehen täglich Lebensschützer vor ihrer Abtreibungsklinik. Verteilen Plastikembryos an die Frauen, die in die Klinik wollen, reden sie mit "Mama" an - schlicht: "belästigen" die Patientinnen, wie Beham das nennt: "Die Situation ist so etwas von furchtbar, das kann sich niemand vorstellen." Ein Jahr lang hat sie versucht, mit einem Sicherheitsdienst die Anti-Abtreibungsaktivisten von ihren Patientinnen fern zu halten, ohne viel Erfolg. Immerhin, an einer Nebenfront hat sie gewonnen: Dietmar Fischer von Human-Life Österreich ist mit seiner Räumungsklage gegen die Klinik abgeblitzt - eine Klage, für die er extra die Räumlichkeiten, in der die Klinik untergebracht ist, gekauft hatte.

Eine Beruhigung für Beham ist die abgewiesene Klage nicht wirklich: "Wozu gibt es die Fristenlösung, wenn man sie so schwer durchführen kann?" Sie wünscht sich eine Bannmeile für die "wahnsinnigen Fundis" um ihre Klinik. Damit wäre auch dem Abtreibungsambulatorium am Fleischmarkt gedient: Haben sich doch da die Abtreibungsgegner in einem Lokal vor dem Ambulatorium niedergelassen, um die Frauen anzusprechen und zu beten.

"Zwei Menschen beten täglich vier bis sechs Stunden, draußen stehen immer zwei, die den Patientinnen Hilfe anbieten", nennt das Dietmar Fischer. Und rühmt sich, mit diesen Aktivitäten schon "mehr als 1000 Babies" gerettet zu haben. Unter dem Titel "der Sieg des Lebens" wurden am Freitag die "geretteten Kinder" am Kongress von Human Life gefeiert.

Und Therese Beham bleibt nur, wenigstens zu demonstrieren - gegen diesen "Wahnsinnskongress".(DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.10.2002)

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